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Ausgabe 3/10


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Wir verabschieden uns von unserem langjährigen Obmann Florian Wenninger

Mit 32 Jahren eine ausführliche Würdigung zu erfahren – dafür bedarf es entweder besonderer Gnade der Geburt – oder herausragenden Einsatzes. Doch vielleicht ist es angebrachter, bereits jetzt das Wort Dank einzuführen und das Wort Würdigung aus diesem Text zu streichen. Es passt besser zu Florian.

 

Er hat es sich verdient, an dieser Stelle Dank für sein umfassendes Engagement zu bekommen. Wir haben es zu einem guten Teil Florian zu verdanken, dass der Verein GEDENKDIENST heute als unersetzlicher, innovativer und nachhaltig verankerter Baustein der historischpolitischen Bildungsarbeit in Österreich gelten kann. Bei den zentralen gesellschafts- und vergangenheitspolitischen Themenstellungen verfügt der Verein GEDENKDIENST mittlerweile nicht nur über praktische Erfahrungen und Konzepte, sondern auch über zahlreiche engagierte ehrenamtliche MitarbeiterInnen. Ein groß angelegtes Projekt zur Professionalisierung von Studienfahrten als Vermittlungsinstrument, die Organisation von Ausstellungen sowie von Tagungen, das gezielte Auftreten gegen Faschismus, Rassismus, Antisemitismus, etc. zeichnen den Verein GEDENKDIENST heute aus. Und ohne vermessen zu sein, kann man behaupten: Das hängt unmittelbar mit der Person Florian Wenninger zusammen.

 

Er war es, der das Projekt studienfahrten. at mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit trotz vieler Hindernisse und Hürden, die es zu überwinden galt, in den Verein holte und es vor allem dem Verein und seinen MitarbeiterInnen auch zutraute. Er war es, der die Öffnung des Vereins in verschiedenen Dimensionen entscheidend vorantrieb: sei das durch statutarische Festschreibungen, sei das durch das gezielte Zugehen auf Personen, die er zur Mitarbeit gewinnen konnte.

 

Vor Florians Obmannschaft war der Verein GEDENKDIENST vor allem als Entsendeorganisation für zivildienstpflichtige Männer bekannt. Eines der Kernanliegen Florians war es, den Verein auch für Frauen attraktiv zu machen und bewusst neue Mitarbeiterinnen in die unterschiedlichen Tätigkeitsfelder des GEDENKDIENSTS einzuladen. In den vergangenen Jahren hat sich der GEDENKDIENST wegentwickelt von einem „Zivildienerverein“ und viele seither im Verein aktive junge Frauen und Männer haben durch ihre Erfahrungen neue Tätigkeitsfelder des Vereins geschaffen. Höhepunkt dieser Öffnung des Vereins war und ist die Gründung des Geschwister-Mezei-Fonds, der endlich auch Frauen ermöglichen sollte, Gedenkdienst zu den gleichen Bedingungen wie Männer leisten zu können. Durch Florians persönliches Engagement und das Durchhaltevermögen in vielen zähen Verhandlungen ist dieses Ziel verwirklicht worden.

 

Unter Florians Obmannschaft hat sich der Kreis an MitarbeiterInnen im Verein stetig vergrößert. Früher waren mehr oder weniger alle Aktiven Vorstandsmitglieder, zumeist handelte es sich dabei um ehemalige Gedenkdienstleistende. Durch die Etablierung der Arbeitsgruppen, die jeweils eine Person in den Vorstand entsenden können, hat sich der GEDENKDIENST strukturell stark verändert. Es wurde die Möglichkeit geschaffen, in verschiedenen Bereichen oder bei einzelnen Projekten im Verein mitzuarbeiten, an regelmäßigen Treffen teilzu- nehmen, aber gleichzeitig nicht verpflichtet zu sein, in allen Tätigkeitsfeldern des GEDENKDIENSTS mitzuwirken. Florian war maßgeblich für die Konzipierung dieser neuen Vereinsstruktur verantwortlich und hat somit wesentlich dazu beigetragen, den Verein in verschiedene Richtungen zu öffnen.

 

Und auch bei der politischen Positionierung des Vereins spielte Florian eine entscheidende Rolle. Er hat den GEDENKDIENST in Zeiten revisionistischen Gegenwinds aus der Medienlandschaft klar Position beziehen lassen und die Angriffe auf den Verein zu kontern gewusst. Er hat den GEDENKDIENST als politische Organisation geleitet, die sich gerade in Zeiten eines wieder erstarkten Rechtsextremismus lautstark zu Wort melden kann. Der Verein, in dem Menschen aus unterschiedlichen politischen Richtungen aktiv sind, ist somit seiner Rolle als politische, aber überparteiliche, Organisation gerecht geworden.

 

Florian hat in seinen Jahren als Obmann die Kerntätigkeiten des Vereins GEDENKDIENST weitergeführt, in bestimmten Bereichen vertieft und vor allem neue Arbeitsfelder erschlossen. Man denke dabei zum Beispiel an: Veranstaltungen mit ZeitzeugInnen, die politische Bildungsarbeit und die Entwicklung didaktischer Methoden, wissenschaftliche Vortragsreihen und Tagungen, Studienfahrten, die Fortsetzung und Erweiterung der Arbeit als Entsendeorganisation für Zivilersatzdienstleistende und die wöchentlich stattfindenden Mittwochstreffen. Florian war in all diese Bereiche involviert und dementsprechend stark im Verein präsent.

 

Schließlich bleibt nochmals zu betonen, dass Florian in seiner Zeit als Obmann den GEDENKDIENST wesentlich prägte, gestaltete und zentrale Impulse gegeben hat, die den Verein in seiner Entwicklung immens weiterbrachten. Und nicht zuletzt sei erwähnt, dass die Arbeit im Verein GEDENKDIENST gerade wegen dieser Dynamik, die stark von Florian ausging, so spannend und bereichernd ist.

 

Dafür sagen wir danke!

 

 

Klaus Kienesberger,

Lukas Meißel