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Ausgabe 3/10


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Hello and Goodbye! Ein Abschied und zwei Begrüßungen

Eine ehrlich formulierte Ausschreibung der Gedenkdienst-Geschäftsleitung müsste in etwa so lauten: „Gesucht wird eine hervorragend ausgebildete, mehrsprachige Person mit umfassenden Kenntnissen des privaten wie staatlichen Verwaltungs- und Versicherungswesens; technische Fertigkeiten von Website-Programmierung bis hin zu Heizungs- und Elektroinstallationsreparaturen werden ebenso vorausgesetzt wie ein Geduldsfaden mit der Beschaffenheit von Klaviersaiten, ein robustes Selbstbewusstsein und eine soziale Kompetenz, die gleichermaßen von Menschenliebe und Durchsetzungswillen geprägt ist. Auch dürfen einer eventuellen Anstellung keine überzogenen Erwartungshaltungen wie etwa „fairer Lohn“ oder „Leben abseits des Vereins“ entgegenstehen. Demgegenüber werden gute alte Werte wie Genügsamkeit, Opferwillen und Selbstlosigkeit als selbstverständlich angenommen.“

 

Darauf würde nicht mal in Zeiten der Krise jemand antworten? Doch. Matthias Kopp zum Beispiel.

 

Es wäre verfehlt zu behaupten, Matthias wäre in den vergangenen Jahren im GEDENKDIENST-Büro tätig gewesen. Richtig muss es heißen: Matthias war das GEDENKDIENST-Büro. Angesichts seiner Vorliebe für Reisen in den Nahen und Mittleren Osten, ging es oft auch gar nicht anders: Wer etwas brauchte, wählte seine Nummer und bekam umgehend was er wollte, egal, ob Matthias dank eines Heizungsdefekts in dicke Pullover gehüllt und mit weißen Wölkchen vor dem Mund die Stellung im Büro hielt, ob er gerade in einem schrottreifen Autobus durch die persische Wüste schaukelte oder im Mietwagen durch Israel und die Westbank kurvte. Auf Stresssituationen reagierte Matthias mit einer fast schon aufreizenden Gelassenheit, die aber nur für Außenstehende als Ignoranz deutbar war. Tatsächlich arbeitete er sich an den Problemen mit einer selten gesehenen Beharrlichkeit ab. Ich habe mich oft gefragt, worin – abgesehen von vielen, vielen Überstunden – Matthias’ Geheimnis bestand und glaube inzwischen die Antwort zu kennen: Einerseits in der Fähigkeit, gedanklich Prioritätenlisten zu erstellen gegen die anzukommen meist ein Ding der Unmöglichkeit war. Andererseits in seinem widerspenstigen Witz: Wer als Israeli mit Matthias befreundet ist, bekommt schon mal eine Urlaubskarte aus dem Iran und darf getrost annehmen, fortan vermutlich nicht nur dem Postboten als verdächtiges Subjekt bekannt zu sein. Und als die Verabschiedung von Gedenkdienstleistenden durch den Bundespräsidenten, um die wir uns lange vergeblich bemüht hatten, endlich wahr wurde und wir in die Hofburg geladen wurden, erschien Matthias – zum allgemeinen Entsetzen – nicht, wie erbeten, im Anzug, sondern im Heavy-Metal-T-Shirt und versicherte grinsend UHBP sei bekanntlich ein Mann des Volkes und werde „es schon aushalten normale Leute zu sehen“. Wer jemals, nichts Böses ahnend, im Büro in eine Rattenfalle trat, über deren Aufstellung Matthias schlicht kein Wort verloren hatte, und darob zu Tode erschrak, dem wurde treuherzig erklärt, Gedenkdienst sei immer schon eine Schule fürs Leben gewesen.

 

Für solche und ähnliche Aktionen war Matthias immer gut. Er war gleichzeitig der Fels in der Brandung, wenn es mal hart auf hart ging – ernsthaft, effizient und umsichtig. Dass er nun, da er sein Studium abgeschlossen hat, das GEDENKDIENST- Büro mit der Akademie der Wissenschaften tauscht, ist so bedauerlich wie verständlich. Dass er gleichzeitig in den GEDENKDIENSTVorstand gewechselt hat, ist ein großes Glück für die Organisation.

 

Wie vor allem auch der Umstand, dass es gelungen ist, seine Stelle mit Magdalena Neumüller zu besetzen. Die bestimmte Oberösterreicherin, Politologin in spe, wirkte in der Vergangenheit als Tutorin am Institut für Staatswissenschaft und empfahl sich anlässlich der im letzten Jahr abgehaltenen Tagung zur NS-Militärjustiz als inhaltlich versierte und organisatorisch überaus talentierte Aktivistin. Magdalena arbeitet seit zwei Jahren als Guide an der Gedenkstätte Mauthausen und begleitet zudem Studienfahrten des GEDENKDIENSTS.

 

Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit!

 

 

Florian Wenninger

Obmann a. D.