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Ausgabe 3/10


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Gedenken, Lernen, Fragen: Zum Studienfahrten - Programm des Vereins GEDENKDIENST

Das Studienfahrten-Projekt hat sich in den letzten Jahren quantitativ, aber auch bezüglich der inhaltlichen und didaktischen Standards stetig weiterentwickelt und konnte sich als Angebot an Schulen, für Bildungseinrichtungen und Vereine etablieren. Offensichtlich gibt es einen hohen Bedarf für Hilfestellungen bei der Organisation und Durchführung zeitgeschichtlicher Studienfahrten. Bislang ist der Verein GEDENKDIENST die einzige Bildungseinrichtung, die Studienfahrten in der Form – mit fundierter Vorund Nachbereitung, intensiver Betreuung, auf die Gruppen angepasstem Programm und eher niedriger TeilnehmerInnenzahl – anbietet.

 

Der Verein GEDENKDIENST bietet derzeit Studienfahrten nach Auschwitz und Krakau, Theresienstadt und Prag, Marzabotto und Bologna, Kärnten und Slowenien, Berlin und Ravensbrück und ins Salzkammergut an. Eine Fahrt dauert üblicherweise vier bis fünf Tage. Das Programm bietet genug Raum für eine intensive Konfrontation mit der Gedenkstätte, meist sind dafür zwei Tage vorgesehen, um eine selbstständige Annäherung zu ermöglichen. Fixer Programmpunkt ist – wenn möglich – die Begegnung mit einer Zeitzeugin oder einem Zeitzeugen. Halb- oder ganztägige Workshops, deren inhaltliche Schwerpunkte mit den SchülerInnen und LehrerInnen abgestimmt werden, ergänzen das Programm. Wir bieten etwa Workshops zum Umgang mit der NS-Zeit in Österreich oder zum Thema Rechtsextremismus und Rassismus, zur Rezeption des NSRegimes seit 1945 oder zu verschiedenen Aspekte wie etwa Täterschaft, Antisemitismus und Kinder und Jugendliche im NS-Lagersystem an. Zentraler Bestandteil der Betreuung einer Studienfahrt sind die allabendlichen Reflexionsrunden: Jeden Abend trifft sich die gesamte Gruppe zu offenen Gesprächsrunden, in denen die TeilnehmerInnen über ihre Erfahrungen am jeweiligen Tag reden, Fragen stellen und eigene Gedanken thematisieren und diskutieren können. Der letzte Tag einer Studienfahrt ist der Gegenwart der besuchten Region gewidmet. Das unterstreicht den Charakter der Exkursionen, die nicht als Traueroder Sühnefahrten konzipiert sind. Ein solcher positiver Abschluss trägt unserer Erfahrung nach viel dazu bei, die Bereitschaft zu weiterer Auseinandersetzung zu fördern.

 

Die Vorbereitung einer Studienfahrt im Rahmen von zwei bis vier Stunden mit dem gesamten Begleitteam dient dem gegenseitigen Kennenlernen von Guides und Gruppe, der Klärung von Fragen zu Modalitäten und Ablauf der Reise. Ganz grundsätzlich unterstrichen wird dabei auch nochmals die Freiwilligkeit der Teilnahme als ein wesentliches Prinzip unserer Fahrten. Die Konfrontation mit nationalsozialistischen Verbrechen ist für viele Menschen verbunden mit der eigenen Herkunft, eventuell aber auch eigenen Gewalterfahrungen und Traumata. Niemand kann zu einer solchen eventuell tiefgehenden, emotional aufwühlenden Auseinandersetzung gezwungen werden. Im Idealfall wird die Entscheidung zu einer Studienfahrt gemeinsam mit den Jugendlichen erörtert und gefällt.

 

Weitere Informationen unter www.studienfahrten.at

 

 

Peter Larndorfer

Leistete 2001/02 Gedenkdienst an der Int.

Jugendbegegnungsstätte in Auschwitz.

Mitarbeiter des Vereins GEDENKDIENST beim

Projekt studienfahrten.at