AuslandseinsatzHolocaust-EducationStudienfahrtenVereinLinks
Ausgabe 4/10


2016
2015
2014
2013
2012
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001
2000
1999
1998

Post aus...

Mit dieser Ausgabe beleben wir eine alte Tradition von GEDENKDIENST wieder: hier berichten Gedenkdienstleistende über Neues, Interessantes und Nachdenkliches aus ihrem Alltag und von ihren Einsatzstellen.

 

Santiago de Chile: Was ist Heimat?

 

Seit August 2010 ist mein Arbeitsplatz ein Alterswohnheim in Santiago de Chile, in dem sowohl römisch-katholische Gläubige, als auch viele Juden und Jüdinnen aus den verschiedensten Teilen Europas, die während des Zweiten Weltkrieges ihr Land verlassen mussten, wohnen.

 

Mein Aufgabenbereich erstreckt sich von Gesprächen mit den HeimbewohnerInnen über Mithilfe in der Bibliothek bis hin zum einfachen Zuhören. Während meiner bisherigen Arbeit habe ich gemerkt, dass der Begriff Heimat sehr viel schwieriger zu definieren ist, als man meint. Im Hogar Villa Israel wohnen zum Beispiel Leute aus Polen, Rumänien, Deutschland, Österreich, Ungarn, wobei heute deren Geburtsort nicht selten zu einem anderen Staat gehört. Durch ihre lange Zeit in Chile haben diese ehemaligen Flüchtlinge die Sprache gelernt, sich an das chilenische Leben angepasst und eine neue Kultur kennengelernt. Fragt man nun diese Menschen nach deren Heimat, bekommt man die unterschiedlichsten Antworten:

 

Meine Heimat ist Chile.

Ich bin Österreicherin.

Ich bin in Deutschland geboren, lebte dann in den USA und bin nun in Chile, aber meinen Pass der Vereinigten Staaten gebe ich nicht mehr her.

Ich habe keine Heimat.

 

Dies sind nur einige wenige Reaktionen auf eine Frage, die von vielen für trivial gehalten wird. Auf keinen Fall sollte man den Wert der Heimat für die Entwicklung der Persönlichkeit unterschätzen.

 

Durch die vielen Gespräche mit den unterschiedlichsten Menschen, habe ich festgestellt, dass Heimat nicht an ein geografisches Land gebunden ist. Heimat, würde ich sagen, ist jener Ort, andem man sich wohlfühlt und ohne Einschränkungen der Mensch sein kann, der man ist.

 

Deshalb bereitet es oft Schwierigkeiten, seine persönliche Heimat zu finden, denn Millionen von Menschen wurden und werden auch heute noch aus ihrer Heimat vertrieben oder leben in ständiger Angst, ihre Heimat zu verlieren.

 

Die Menschen aus dem Heim aber haben mir gezeigt, dass sie ihre Heimat in ihren Herzen tragen und somit, in welchem Teil der Erde sie sich auch befinden, immer zu Hause sind.

 

 

Lukas Sottner

Leistet Gedenkdienst am Hogar Villa Israel in Santiago de Chile.