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Ausgabe 4/10


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Gedächtnis - Verlust?

Tagung: 25. und 26. März 2011

Geschichtsvermittlung und -didaktik in der Mediengesellschaft

 

 

Gemeinsam mit dem Verein Arbeitskreis für historische Kommunikationsforschung veranstaltet der Verein GEDENKDIENST am 25. Und 26. März 2011 eine internationale Fachtagung am Campus der Universität Wien. Theorien, Strategien und Fragen der praktischen Anwendung von Geschichtsvermittlung und –didaktik in der Mediengesellschaft, stehen im Mittelpunkt dieser zwei Tage.

 

Eine kritische Revision der Begriffe „Erinnern“, „Gedenken“, „kollektive Identitäten“ sowie „kollektive Gedächtnisse“, ist Basis und soll den Anstoß zu einer interdisziplinären Auseinandersetzung um die Zukunft der Geschichtsvermittlung geben. Was ist „das Medienphänomen Geschichte“, welche Möglichkeiten bietet die Oral History und welche medienpädagogischen Ansätze der Vermittlung historisch-politischer Inhalte sollten wir verstärkt nützen? Im Fokus stehen hier nicht nur deren Chancen und Risiken, sondern auch das Potential und die Zukunftstauglichkeit aktueller (medialer) Vermittlungskonzepte.

 

Die Geschichte(n) des Holocaust und des Nationalsozialismus steht an der Schwelle zur Historisierung: Die Generation jener, die diese Zeit unmittelbar erfahren und miterlebt habt, kann uns (bald) nicht mehr davon berichten. Daher wird es in Zukunft wichtig sein, Strategien und Möglichkeiten zu erarbeiten, diese Geschichte(n) mit all ihren Ausprägungen in Erinnerung zu behalten und an kommende Generationen weiterzuvermitteln.

 

„Die Forderung, daß Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung.“ Damit formulierte Theodor W. Adorno in seinem Aufsatz Erziehung nach Auschwitz den Anspruch eines didaktisch- pädagogischen Umgangs mit dem Holocaust. Dieser Anspruch, aus der Geschichte lernen zu können und erzieherische Ansprüche abzuleiten, wurde seither vielfach analysiert und diskutiert. Unumstritten ist, dass Geschichte die Gegenwart mitbestimmt und vor allem für die Entwicklung kollektiver und somit auch individueller Identitäten wesentlich mitverantwortlich ist.

 

Ausgehend von Adorno, ist die Frage nach der Vermittlung von Geschichte zu einer zentralen Frage der Geschichtswissenschaft und -didaktik geworden. Darüber hinaus wenden sich auch verwandte Wissenschaften, wie die Kommunikationsgeschichte, verstärkt diesen Fragestellungen zu und diskutieren vielerorts den Einsatz von „Neuen Medien“ in diesem Bereich der Vermittlungsarbeit.

 

In der Vermittlung von Geschichte haben sich in den vergangenen Jahren unterschiedliche Theorien und Konzepte herauskristallisiert. Diese reichen von Kompetenzmodellen für die Schulcurricula, über angloamerikanische Ansätze wie die Holocaust-Education bis hin zu interkulturellen Ansätzen in der Gedenkstättenpädagogik.

 

Im Zuge der Tagung „Gedächtnis-Verlust?“ sollen einerseits aktuelle Ansätze und Positionen diskutiert werden, andererseits konkret darauf eingegangen werden, wie Geschichtsvermittlung auf praktische Herausforderungen gesellschaftlicher Veränderungsprozesse reagieren kann. Dies betrifft insbesondere Fragen nach den Möglichkeiten, Grenzen und Chancen der Vermittlung für den Komplex des Holocaust und Nationalsozialismus in der Jugend- und Erwachsenenbildung. Ansätze, die den Ansprüchen unserer Migrationsgesellschaft und vor allem auch einer gender-reflektierten Vermittlungsarbeit gerecht werden, sollen ausgetauscht werden.

 

Die Tagung ist bewusst als Kooperationsprojekt konzipiert, um die Interdisziplinarität nicht nur aus theoretischer Perspektive zu beleuchten, sondern auch deren praktische Bedeutung hervorzuheben. Beide Vereine arbeiten an Schnittstellen: Stellt sich der Arbeitskreis für historische Kommunikationsforschung in erster Linie Fragen der historischen Kommunikation und der Kommunikation des Historischen, widmet sich der Verein GEDENKDIENST in Projekten wie „studienfahrten. at“ und der „DidaktikWerkstatt“, der Konzeption und der Erprobung neuer Ansätze historisch-politischen Lernens. Die Tagung wendet sich an Wissenschaftler_ innen aus verschiedenen Disziplinen, aber selbstverständlich auch an Praktiker_innen aus Vereinen, Schulen und Institutionen der historisch-politischen Bildung. Erinnerungsinitiativen, Studierende, politische Vertreter_innen und andere Multiplikator_innen sollen sich angesprochen und aufgefordert fühlen in den geplanten Publikumsdiskussionen ihre Erfahrungen miteinzubringen.

 

Partner der Veranstaltung sind das Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft sowie das Institut für Zeitgeschichte an der Universität Wien. Gefördert wird die Tagung von der Bundesvertretung der Österreichischen HochschülerInnenschaft, der Österreichischen HochschülerInnenschaft an der Universität Wien, der Stadt Wien und dem Nationalfonds der Republik Österreich.

 

 

Weitere Informationen in Kürze unter: www.gedenkdienst.at und www.medienundzeit.at Kontakt: linda.erker@gedenkdienst.at