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Ausgabe 1/11


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Bürger_innen-Initiative: Gedenkdienst für Frauen!

Beseitigung der Diskriminierung während des Europäischen Jahres der Freiwilligkeit

Für junge Männer gibt es seit 1992 die Möglichkeit, getragen durch den Verein GEDENKDIENST, Zivilersatzdienst (an Stelle des Zivildiensts im Inland) zu leisten. Die Zivildienstpflichtigen arbeiten in Museen, Gedenkstätten, pädagogischen Institutionen, Archiven und Betreuungseinrichtungen für Holocaustüberlebende in 14 Staaten weltweit, von Europa über Nord- und Südamerika bis Israel. Für ihre Arbeit erhalten die Zivildienstpflichtigen immerhin eine pauschale Abgeltung durch die Republik – auch wenn diese kaum ausreicht, um den Lebensunterhalt abzusichern. Während ihrer Dienstzeit sind sie auch kranken- und unfallversichert.

 

Das Setzen dieses erinnerungspolitischen Zeichens ist jedoch ausschließlich Männern vorbehalten. Ein vergleichbares, von der Republik Österreich gefördertes, Programm für junge Frauen fehlt bisher. Seit Jahren sind mehr als die Hälfte der jungen Menschen, die unseren Verein kontaktieren, um Gedenkdienst zu leisten, Frauen. Durch die fehlende Finanzierung müssen diese jungen Frauen ihren Dienst jedoch selbst bezahlen und zudem die damit verbundenen sozialrechtlichen Verschlechterungen (Sperre von Beihilfen wie der Familienbeihilfe, Verlust der Mitversicherung, etc.) hinnehmen.

 

Darüber hinaus sammeln Gedenkdienstleistende während ihres Dienstes wertvolle Erfahrungen, die bei der persönlichen und beruflichen Entwicklung von großem Vorteil sind. Die Diskriminierung übertrifft also die Zugangsverweigerung bei weitem.

 

Der vom Verein GEDENKDIENST 2007 eingerichtete Geschwister-Mezei- Fonds hat zum Ziel, jährlich zumindest einer oder zwei Frauen die Möglichkeit zu geben, Gedenkdienst zu leisten und damit die Öffentlichkeit weiter auf diese Ungleichheit hinzuweisen, bis die Diskriminierung beseitigt ist. Der Fonds, der von Privaten, Verbänden, Kirchen, Unternehmen, Parteien und vom gemeinnützigen Verein GEDENKDIENST selbst gespeist wird, steht mittlerweile fast vor dem Aus. Die Suche nach finanzieller Unterstützung gestaltet sich nicht nur in Zeiten der Wirtschaftskrise schwierig. Jedes Jahr stellt sich erneut die Frage, ob überhaupt eine Frau als Gedenkdienstleistende entsendet werden kann.

 

Es ist die Aufgabe der Republik Österreich, dieser offensichtlichen Diskriminierung junger Frauen ein Ende zu setzen.

 

Europäisches Jahr der Freiwilligkeit: Forderung nach Beseitigung der Diskriminierung

 

Im Regierungsprogramm 2008 wurde die Ausweitung des Freiwilligen Sozialen Jahres auf Sozial-, Friedens- und Gedenkarbeit im Ausland angekündigt, was ein erster Schritt in die richtige Richtung sein könnte. Bisher gab es keine erkennbaren Bemühungen dieser Art! Wir fordern die Umsetzung des Regierungsprogrammes, die Schaffung der notwendigen rechtlichen Grundlagen, verbunden mit einer ausreichenden Finanzierung und die notwendige Beseitigung der existenten sozialrechtlichen Benachteiligungen, um den gleichberechtigten Gedenkdienst für Frauen und Männer zu ermöglichen.