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Ausgabe 1a/11


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"Das habe ich nicht gewusst!"

Dieser Satz wurde öfters von den Schülerinnen und Schülern im Laufe des Projekts Eine Maturaklasse auf den Spuren der Vergangenheit – Das Schulgebäude Kenyongasse seit 1938 erwähnt. Wir gehen seit fünf Jahren in diesem Schulgebäude ein und aus, wir kennen die Räumlichkeiten und die Professorinnen und Professoren sehr gut, und trotzdem hatten wir vom geschichtlichen Hintergrund unserer Schule keine Ahnung. Erst die Teilnahme an diesem Projekt hat uns diesen zugänglich gemacht. Gemeinsam mit dem Verein GEDENKDIENST sowie Radio Orange ist ein Weg zu prozessorientiertem Arbeiten mit dem Ziel, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, zu erinnern und die Geschichte unserer Schule der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, entstanden.

 

Planung

 

Die Planungsphase begann mit einem gemeinsamen Brainstorming, bei dem Assoziationen gesammelt und einige Ziele formuliert wurden. Mit dem Erarbeiten verschiedener Themenbereiche, ging die Planungsphase in die nächste Runde. Nun konnten sich die Schülerinnen und Schüler in Gruppen aufteilen und sich dem Gebiet zuwenden, für das sie das größte Interesse aufbringen konnten. So entstanden fünf Gruppen: „Das Leben der Schwestern“, „Opfer und Täter“, „Schulgebäude 1938-1945“, „Schule nach 1945“ und „Öffentlichkeit“.

 

Umsetzung

 

Die Ziele und Ansätze der Gruppen waren unterschiedlich, deckten sich jedoch auch in verschiedenen Bereichen. Begonnen wurde in allen Gruppen gleich: Es mussten Informationen beschafft werden, um die verschiedenen Themen er- und bearbeiten zu können. Dafür gingen die Schülerinnen und Schüler in Archive, wie das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), in die Ausstellung „Die Vermessung Wiens“ in der Wienbibliothek im Rathaus, in das Provinzhaus Eisenstadt, in das Kloster der „Schwestern vom Göttlichen Erlöser“ in Neusiedl am See und in Wien, in die Stadtbücherei Wien oder auch in das Österreichische Filmmuseum. Das Auffinden von Quellen und Hintergründen war eine echte Herausforderung für uns, ist jedoch ein grundlegender Bestandteil von wissenschaftlichem Arbeiten.

 

Die Gruppe „Das Leben der Schwestern“ konzentrierte sich neben den Geschehnissen in unserer Schule auch auf die Erlebnisse der Schwestern in der Klosterschule Neusiedl am See. Die Schülerinnen, die sich mit diesem Thema auseinandergesetzt haben, besitzen einen besonderen Bezug dazu, da sie in einer Bildungsinstitution dieses Ordens unterrichtet worden sind. Es war ihnen somit vieles bekannt. Es entstanden zahlreiche Gespräche auf vertrauensvoller Basis. Die Schülerinnen hatten das Ziel, sich in den Alltag einer Ordensschwester während der Zeit des Nationalsozialismus einzufühlen und ihre Rolle in der Gesellschaft zu erforschen.

 

Die Schülerinnen und Schüler, die sich mit den „Opfern und Tätern“ auseinandergesetzt haben, hatten zunächst Schwierigkeiten beim Auffinden von Informationen. Diese Gruppe war lange mit der Suche nach Namen und Biographien beschäftigt; manche Spuren konnten oft nicht weiter verfolgt werden. Die Geschichte wird unter diesem Aspekt häufig nicht beleuchtet. Die Schülerinnen und Schüler führten Interviews mit den Schwestern Siglinde und Judith. Außerdem analysierten sie Erlebnisberichte und ein Interview mit dem Überlebenden Emanuel Fuchs. Die Gruppe wollte den Opfern ein „Gesicht“ geben und ihre Geschichte, ihre Biographien und die individuellen Hintergründe erforschen.

 

Eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern hat sich speziell dem Schulgebäude in den Jahren 1938 bis 1945 gewidmet. Sie wollten folgende Fragen erforschen: Was ist in welchen Räumen passiert? Welche Funktion haben die Räume heute? Welche Bedeutung hat der Westbahnhof im Zusammenhang mit der Nutzung des Gebäudes? Der „Gebäudegruppe“ gelang es, sich einen guten Überblick über die damalige Situation zu verschaffen. Dabei halfen ihnen Interviews mit den Schwestern Cäcilia, Judith und Siglinde. Außerdem erhielten sie zahlreiche Baupläne, Mietverträge sowie Fotografien der Schule und konnten in der Schulchronik verschiedenes nachlesen.

 

Die Schülerinnen der Gruppe „Schule nach 1945“ interessierten sich für die Wiedereröffnung der Schule, für die Erziehungsstile nach dem Krieg, für die Unterrichtsinhalte und für die Entwicklung der verschiedenen Schultypen. Auch der Wiederaufbau wurde hier thematisiert sowie der Umgang mit der NS-Geschichte der Schule. Fotomaterial und verschiedenste Dokumente unterstützten sie dabei.

 

Den Schülerinnen und Schülern der Gruppe „Öffentlichkeit“ kam eine besondere Bedeutung zu, nämlich die Verbindungen zwischen den Gruppen zu schaffen, die Übersicht zu behalten, Inhalte auszuwählen und diese im Rahmen einer Radiosendung für die Öffentlichkeit transparent zu machen.

 

Dieses Projekt war für uns alle eine große Herausforderung, die, neben den fortlaufenden schulischen Angelegenheiten für die Matura, erledigt werden musste. Das kostete alle Teilnehmerinnen und Teilnehmern, sowie den Professorinnen und Professoren viel Kraft. Auch die Direktorin, Mag.a Maria Habersack, erkannte den knappen Zeitplan als zusätzliche Herausforderung für dieses engagierte Projekt. Sie war jedoch begeistert von der Selbstständigkeit und dem Engagement der Schülerinnen und Schüler und dankbar für die Hilfe von „Außen“ durch den Verein GEDENKDIENST, das Institut für Zeitgeschichte und Radio Orange. Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Sie sind vor allem in dieser Sonderausgabe zu lesen, sowie auch am 6. Mai 2011 im Museumsquartier, beziehungsweise auf Radio Orange zu hören.

 

Geschichte transparent machen

 

Dies war ein wesentliches Ziel, das mit Sicherheit als gelungen bezeichnet werden kann. Es ist uns gelungen, die Geschichte unserer Schule transparent zu machen und uns mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.

 

Abschließend wollen wir uns für die Unterstützung bei unserer Direktorin Mag.a Maria Habersack, sowie bei Dr.in Regina Fritz, Philipp Rohrbach und Adina Seeger vom Verein GEDENKDIENST, bei Radio Orange und auch bei den Schwestern unseres Ordens bedanken, ohne deren Kooperation wir ein solches Projekt nicht auf die Beine hätten stellen können.

 

 

Andrea Gansfuss, Jaqueline Heim,

Philipp Hiblinger, Birgit Landman