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Ausgabe 4/11


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gedenkorte.net

Zur materiellen und räumlichen Performanz von NS-Gedenkstätten – eine Fotodokumentation

 

Die Bedeutung nationalsozialistischer Orte der Gewaltherrschaft und Vernichtung hat sich in den letzten zwei Dekaden gewandelt. Dies betrifft vor allem auch ihre Gestaltung. Ein Teilprojekt des Mauthausen Seminars an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) widmet sich der Frage, wie die baulichen Überreste an Orten nationalsozialistischer Verbrechen heute bewahrt werden. Im Rahmen der Forschungsarbeit fanden zwischen November 2009 und September 2011 Exkursionen in europäische Gedenkstätten statt, um vor Ort Eindrücke zu den Neugestaltungen zu sammeln und den Umgang mit den Überresten fotografisch zu dokumentieren. Aufgrund der Vielzahl von Gedenkstätten mussten Einschränkungen getroffen werden. Im Zentrum der wissenschaftlichen Arbeit standen zunächst die Orte ehemaliger Konzentrationslager, die nach 1935 der Inspektion der Konzentrationslager unterstellt waren beziehungsweise von dieser errichtet wurden. Darüber hinaus haben wir Orte von NSVerbrechen besucht, in denen ebenfalls umfangreiche Neukonzeptionen und  gestaltungen vorgenommen wurden und so für aktuelle Diskurse der Gedenkstättenlandschaft nicht weniger bedeutsam sind. Dazu gehören Gedenkstätten an Orten ehemaliger Durchgangslager, Vernichtungslager, Ghettos, Vernichtungsanstalten der ‚Aktion T4‘, Kriegsgefangenenlager, Internierungslager, Gestapo-Lager sowie Dokumentationszentren an Orten des NS-Terror- und Vernichtungsapparats. Die gesammelten Eindrücke und die Fotodokumentation entwickelten sich nebst der verfügbaren Literatur zu bedeutsamen Quellen für die wissenschaftliche Analyse. Der methodische Zugang spiegelt sich in der im Internet abrufbaren Fotodokumentation wider: Zunächst sind die Fotografien als Rundgänge über das Gelände der ehemaligen Lager abrufbar („Gedenkstättenrundgänge“). Des Weiteren – unter „Bauliche Überreste“ nach Kategorien sortiert – sind nach ihrer ehemaligen Funktion zum Beispiel Appellplätze, Häftlingsküchen, Effektenkammern und Unterkunftsbaracken zu sehen. Eine weitere Sortierung zeigt neue Einrichtungen und Bauten der Gedenkstätten, wie etwa Besucherzentren, Informationsschilder oder Ausstellungen, Denkmäler und spezifische Gedenkorte („Gedenkstätteninfrastruktur“). Schließlich zeigt eine Kategorie Strategien im Umgang mit den baulichen Überresten (u. a. Konservierung, Distanzierung, Inszenierung, Umnutzung) und diesen exemplarisch zugeordnete Fotos („Strategien“). Die Zusammenstellungen der Fotos dokumentieren den Arbeitsprozess und sind hilfreiche Unterstützung für die eigene wissenschaftliche Arbeit. Gleichzeitig sollen die auf der Webseite www. gedenkorte.net präsentierten Fotos auch einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, zu eigenen Besuchen vor Ort anregen oder als Hilfsmittel für andere Arbeiten dienen.

 

 

Ralph Gabriel

Dipl. Ing. Architektur, Typograph, Geschichts- und Kulturwissenschaftler, Research Assistant an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

 

Ariane Sept

Dipl. Ing.in Stadt- und Regionalplanung, Grafik- und Webdesignerin; freie Mitarbeiterin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.