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Ausgabe 2/12


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Ring frei!

Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Rings in "Universitätsring"

 

Am 19. April 2012 teilte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny mit, dass der Ringabschnitt zwischen Stadiongasse und Schottentor, der seit 1934 den Namen Dr.-Karl-Lueger-Ring trägt, im Herbst dieses Jahres in „Universitätsring“ umbenannt werden soll. Dem vorausgegangen ist die seit Jahren von verschiedenen Seiten geäußerte Forderung, diesen zentralen Straßenabschnitt umzubenennen, der dem von Adolf Hitler bewunderten, mit seiner antisemitischen Politik erfolgreich gewordenen Bürgermeister gewidmet wurde. Überraschend erfolgte die Enthüllung der ersten neuen Straßentafel – in Anwesenheit zahlreicher VertreterInnen der Presse – bereits am 4. Juli durch Kulturstadtrat Mailath-Pokorny, Klaus Werner-Lobo, Kultursprecher der Grünen Wiens, und Heinz W. Engl, Rektor der Universität Wien.

 

Es ist hocherfreulich, dass dieser fragwürdige, mit Recht als „peinlich“1 eingestufte
Straßenname nun aus dem Stadtbild Wiens entfernt wurde. Die symbolische Wirkmächtigkeit rief im Vorfeld auch gleich jene Ewiggestrigen auf den Plan,
die in dieser Umbenennung reflexartig „Linken Gesinnungsterror“ zu sehen glaubten.2

 

Mit der Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Rings wurde auch eine langjährige Forderung des Vereins GEDENKDIENST umgesetzt. 2010 widmete sich eine GEDENKDIENSTSchwerpunktaugabe dem Thema. Florian Wenninger titelte damals „Ring frei!“ und erläuterte, warum die Umbenennung vonnöten wäre; weitere Artikel beschäftigten sich mit der Person Karl Luegers, seiner Biografie und seiner Politik, aber auch mit der aktuellen politischen Diskussion.3 Alfredo Bauer beteiligte sich in der Ausgabe 4/2010 mit einer kritischen Anmerkung an der Diskussion um Lueger und forderte ebenfalls die Umbenennung des Ringabschnitts.4 Dem symbolischen Akt der Umbenennung sollten unseres Erachtens weitere Schritte folgen: zum einen sollte im Falle der Lueger-Gedächtniskirche, des Lueger-Platzes und des Lueger-Denkmals über eine Intervention beziehungsweise Kontextualisierung und/oder Umbenennung weiter nachgedacht werden.5 Zum anderen wäre es wohl unverhältnismäßig und politisch inkonsequent, würde man bei Lueger stehen bleiben: denn es gilt zu hoffen, dass die Stadt Wien künftig grundsätzlich eine Politik der Straßennamen verfolgen wird (und dabei die Ergebnisse der dafür eingesetzten Kommission berücksichtigt), die dem demokratischen Selbstverständnis einer modernen Stadt entspricht.

 

 

Der Vorstand und die Geschäftsführung des Vereins GEDENKDIENST und die GEDENKDIENST-Redaktion

 

 

1 So der Kultursprecher der Grünen Klaus Werner-Lobo, vgl.: http://derstandard.at/1334795579828/Reaktionen-FPOe-Linker-Gesinnungsterror (01.05.2012).


2 So FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache, vgl.:http://derstandard.at/1334795579828/Reaktionen-FPOe-Linker-Gesinnungsterror (01.05.2012).


3 Ausgabe 2/2010 online zu lesen unter:http://www.gedenkdienst.at/fileadmin/zeitung/gd2010-2.pdf.


4 Ausgabe 4/2012 online zu lesen unter:http://www.gedenkdienst.at/fileadmin/zeitung/gd2010-4.pdf.


5 Konstruktive Vorschläge für die Diskussion wurden dabei schon gemacht, vgl.: Arbeitskreis zur Umgestaltung des Lueger-Denkmals in ein Mahnmal gegen
Antisemitismus und Rassismus, (Hg.), Open Call: Handbuch zur Umgestaltung des Lueger-Denkmals. Wien 2011.