AuslandseinsatzHolocaust-EducationStudienfahrtenVereinLinks
Ausagbe 4/12


2016
2015
2014
2013
2012
2011
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
2001
2000
1999
1998

Post aus...Prag

Prag, Ende Oktober 2012

 

Da saß ich also Mitte August im Bus auf dem Weg in die Hauptstadt Tschechiens, die für mich der Ort vieler neuer Erfahrungen sein sollte. Schließlich wohnte ich bisher noch nie in einer WG, arbeitete noch nie 40 Stunden pro Woche, verdiente noch nie mein eigenes Geld und musste noch nie mit diesem wirtschaften…

Die mittlerweile mehr als zwei Monate, die ich nun schon in Prag bin, sind schwer in Worte zu fassen – ein neuer Lebensabschnitt hat begonnen. Der knapp fünfzehnminütige Fußweg von meiner Wohnung in die Arbeit, mitten in der jüdischen Altstadt gelegen, ist zwar schon zu einer der zahlreichen Konstanten hier geworden, er ist aber trotzdem jedes Mal aufs Neue einzigartig. Das Flair der Prager Altstadt wird nie langweilig und zudem bevölkern zu dieser Jahreszeit immer weniger TouristInnen die Sehenswürdigkeiten. Zu meinem Glück steckt nicht nur der Weg, sondern auch das Ziel, meine Arbeitsstelle – das Institut Theresienstädter Initiative – voller neuer Eindrücke und Erfahrungen für mich. Schon mein erster Arbeitstag war eine Herausforderung, denn eine Frau besuchte das Institut, um Informationen zu einer Überlebenden zu erfragen und ich war umgehend gefordert, da sie nur Deutsch sprach. Ich half ihr so gut, wie es mir zu dieser Zeit möglich war. Zu Rosch ha-Schana schrieb sie mir dann eine E-Mail, in der sie mir ein frohes neues Jahr wünschte und mir für meine Hilfe dankte. Bei meiner Arbeit kommt mir die Tatsache zugute, dass ich Tschechisch spreche. Ich übersetze nämlich derzeit die institutseigene Webseite www.holocaust.cz ins Deutsche. Diese Seite bietet Informationen über die Zeit des Nationalsozialismus, wobei ein Hauptaugenmerk auf den Geschehnissen in der Tschechoslowakei beziehungsweise im ‚Reichsprotektorat Böhmen und Mähren‘ liegt. Im Rahmen des Projekts Terezinské Album entsteht auf dieser Webseite eine Datenbank zu Opfern des Holocaust, die mit personenbezogenen Dokumenten gespeist wird. Dabei helfe ich, indem ich einmal wöchentlich im Nationalarchiv der Tschechischen Republik solche Dokumente einscanne.

Basierend auf den Erfahrungen meines bisherigen Aufenthalts kann ich nur hoffen, dass sich meine restliche Zeit hier genauso inspirierend gestaltet.

 

Herzliche Grüße aus dem verschneiten Prag

 

David Lion

 

Leistet derzeit Gedenkdienst am Institut Theresienstädter Initiative in Prag