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Ausgabe 2/13


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Post aus…

Washington, DC

 

Washington, DC, im Juni 2013

 

Nun neigt es sich langsam dem Ende zu, mein Gedenkdienst-Jahr. Die Gedenkdienstleistenden, die im August ihren Dienst antreten werden, stehen schon in den Startlöchern und bald gilt es, sich von allen Menschen hier, der Arbeit und der Stadt zu verabschieden. Mit einem gewissen Stolz blicke ich auf die Aufgaben zurück, die mir am United States Holocaust Memorial Museum (USHMM) zuteil geworden sind. Vieles, was ich mir früher kaum zugetraut hätte, bereitet mir nun keine Sorgen mehr. Allem voran die tours, also Führungen durch die Ausstellungen des Hauses für verschiedenste amerikanische Schul-, Polizei- oder Beamtengruppen (was das Überwinden vorhandener Hemmschwellen meinerseits erforderte), bis hin zu meinem Hauptaufgabenbereich in der Abteilung des Senior Historian: die schriftliche Beantwortung von (zeit-)geschichtsbezogenen Anfragen aus der Öffentlichkeit. Dabei handelt es sich vor allem um Fragen zur NSZeit in Bezug auf bestimmte Ereignisse, Sachverhalte oder Personen. Zum Beispiel bearbeitete ich kürzlich eine Anfrage über die Entwicklung des Beamtenwesens vor und während des Nationalsozialismus in Deutschland und dessen Rolle bei der Durchführung des Holocaust. Bei anfänglichen Unsicherheiten, mich mit der englischen Fachsprache und der intensiven Recherchearbeit zurechtzufinden, standen mir mein Vorgesetzter, mein Vorgänger und viele Kolleginnen und Kollegen am Museum motiviert zur Seite, sodass ich mittlerweile selbstsicher an meine Arbeit herangehe – ein besseres Arbeitsumfeld kann man sich kaum wünschen.

 

Jenseits dieser Tätigkeiten hatte ich auch die Chance, mit einigen österreichischen Emigrantinnen und Emigranten (bzw. mit deren Kindern) Freundschaft zu schließen. Etwa mit Kurt Heinrich, der heute 92 Jahre alt ist, gebürtiger Hernalser und seines Zeichens Hobbykünstler. Er hat sich mir gegenüber die Rolle eines Kunstlehrers angenommen und verbringt mit mir (ich selbst ein weniger talentierter Hobbykünstler) geduldig viele Sonntagnachmittage beim Malen.

 

Dieses Jahr war voller Erlebnisse und Begegnungen, die mich und mein weiteres Leben für lange Zeit prägen werden. Dies alles kann ich leider unmöglich in diesem kurzen Text zusammenfassen. Ich denke aber, dass ich einen positiven Beitrag für einige Menschen geleistet habe und ich dies, bestärkt durch meine Erfahrungen hier, hoffentlich in meinem weiteren Leben auch tun kann.

 

 

Paul Kuglitsch

 

Leistet derzeit Gedenkdienst am United States Holocaust Memorial Museum (USHMM) in Washington, DC.