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Ausgabe 2/13


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Unnahbare Vergangenheit

Impressionen aus den neuen Ausstellungen in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen

 

Seit 2009 wird die Gedenkstätte Mauthausen neu gestaltet.1 Nach einer Reform der pädagogischen Vermittlungsarbeit,2 der Realisierung einer Überblicksausstellung, einer Ausstellung zu Methoden des Massenmords im KZ Mauthausen und eines sogenannten ‚Pietätsbereichs‘ wurde die erste Phase der Neukonzeption nun abgeschlossen. Anlässlich des 68. Jahrestags der Befreiung im Mai wurden die neuen Ausstellungen in Anwesenheit Überlebender und internationaler Politiker/innen eingeweiht.

 

In den nächsten Jahren soll eine systematische Musealisierung des Lagergeländes in Gestalt eines Besucher/innenleitsystems folgen, geplant sind zudem vier weitere Ausstellungen, die sich den Häftlingen, der Zwangsarbeit im Steinbruch, der Lager-SS und der Nachgeschichte des KZ Mauthausen widmen werden. Ein Gutteil der Neugestaltung steht also noch aus; die jüngst eröffneten Ausstellungen stellen von daher ein erstes, wenn auch sicherlich zentrales Fragment der zukünftigen Gedenkstätte dar.

 

Angesiedelt sind sie im ehemaligen Krankenrevier. Hier war bereits die vorherige historische Ausstellung beherbergt, die unter der Ägide des einstigen Lagerschreibers und späteren Chronisten des KZ Mauthausen, Hans Maršálek, entstanden war.3 Besucher/innen betreten das Gebäude vom ehemaligen Appellplatz her. Am Infotresen liegt eine kostenlose Broschüre aus, die neben Übersichtsplänen Hintergrundtexte zu Entstehung, Konzeption und Gestaltung der Ausstellungen enthält.4 Die Ausstellung Das Konzentrationslager Mauthausen 1938-1945 befindet sich im Erdgeschoss; Der Tatort Mauthausen – Eine Spurensuche ist im Keller zu sehen. Auf einem neuen Rundweg können von dort aus die ehemaligen Tötungsund Leichenverbrennungsanlagen sowie ein Raum der Namen begangen werden.

 

Auf Einladung des Vereins GEDENKDIENST habe ich mich während des diesjährigen Dialogforums Mauthausen zwei Tage lang intensiv mit den neuen Ausstellungsbereichen beschäftigt. Im Folgenden möchte ich einige meiner Eindrücke beschreiben und reflektieren.

 

Die Ausstellung Konzentrationslager Mauthausen 1938-1945

 

Die Entscheidung, die Überblicksausstellung zur Lagergeschichte in einem denkmalgeschützten historischen Gebäude unterzubringen, hat ihren Preis. Zu beiden Seiten eines langen Korridors reihen sich sechzehn Räume unterschiedlicher Größe. Diese strenge räumliche Ordnung haben die Kurator/innen in eine ebensolche inhaltliche Struktur übersetzt: Im Mittelgang wird eine knappe Chronologie des NS-Regimes präsentiert, entlang derer in den Räumen zur Linken die Entwicklung des Mauthausener Lagerkomplexes dokumentiert wird, während rechts des Gangs Erfahrungen der Gefangenen repräsentiert sind.

 

Unterbrochen wird dieses Schema durch zwei sogenannte Exkurse, die sich der Interaktion der lokalen Bevölkerung mit dem Lager und der ‚Mühlviertler Hasenjagd‘ widmen. Zugleich sind das die einzigen Ausstellungsbereiche, in die ungebrochenes Tageslicht einfällt und die zum Verweilen einladen: Hier finden sich Sitzgelegenheiten, von denen aus man bequem Interviews anhören, Dokumente studieren oder einfach mal aus dem Fenster schauen kann.

 

Die übrigen Räume sind – bedingt durch Einbauten und Jalousien – in Dämmerlicht getaucht. So entsteht eine beklemmende Atmosphäre, die von der überwiegend in Grau und Schwarz gehaltenen Ausstellungsgestaltung noch verstärkt wird. Zudem stellt sich vielerorts Platzmangel ein, sobald sich mehrere Leute gleichzeitig für dieselben Texte oder Objekte interessieren. Denn die sind meist kleinteilig an Wänden fixiert oder in schrankartigen, nur von einer Seite einsehbaren Ausstellungsmöbeln arrangiert.

 

Die Geschichte des Konzentrationslagers wird in vier Phasen erzählt: Aufbau (1938/39), Internationalisierung der Häftlingsgesellschaft und Radikalisierung des Lagerregimes (1940-42), Rüstungsindustrie und Außenlagersystem (1943/44), Endphase und Befreiung (1945). Mithilfe verschiedenster Dokumente und Objekte wird hier die dynamische Entwicklung eines zunehmend verzweigten Lagerkomplexes rekonstruiert. Neben Verfolgtengruppen und deren Überlebenschancen innerhalb einer radikal hierarchisierten Zwangsgemeinschaft sind auch Täterbiografien dokumentiert; Lehrmaterial für Wachleute oder das Fotoalbum eines SS-Manns bieten Einblicke in deren Sozialisation und Selbstverständnis.

 

Komplementär zum historischen Überblick werden auf der anderen Seite des Mittelgangs einzelne Aspekte des Lebens, Leidens und Sterbens im Lager aus Perspektive der Gefangenen skizziert: etwa die Ankunft vor Ort, der alltägliche Terror, der permanente Nahrungsmangel oder Strategien des Überlebens und des Widerstands. Im Gegensatz zum anderen Ausstellungsteil werden dabei primär Zeichnungen und andere Relikte von Häftlingen präsentiert, außerdem finden sich hier zahlreiche thematisch einschlägige Ausschnitte aus Interviews mit Überlebenden in Ton und Bild.

 

Interviewfragmente sind ein zentraler Bestandteil auch der bereits erwähnten Exkurse zu Perspektiven und Reaktionen der regionalen Bevölkerung auf das Lager. Zeitzeug/innen erinnern sich an den Gestank der Krematorien, an beobachtete Morde und Gewalttaten, Trinkgelage der SS oder ihr Erleben der ‚Mühlviertler Hasenjagd‘. Unterstützt von zeitgenössischen Dokumenten tut sich ein breites Spektrum an möglichen Verhaltensweisen auf: von williger Kollaboration über aktive Ignoranz und passives Mitgefühl bis hin zu Akten der Solidarität mit Gefangenen.

 

Empfangen und verabschiedet werden die Besucher/innen mit einem Ausstellungsabschnitt, der Aspekte der Nachgeschichte des KZ Mauthausen anreißt. Dabei geht es einerseits um den Umgang mit der Lagervergangenheit in der österreichischen Nachkriegsgesellschaft, andererseits um die Erfahrungen ehemaliger Gefangener. Im erfahrungsgeschichtlichen Teil wird beispielsweise das Erinnerungsalbum eines ehemaligen polnischen Häftlings gezeigt, in dem dieser Fotos und Eintrittskarten von Gedenkstättenbesuchen in Mauthausen sammelte. Auch Kontinuitäten rassistischer Diskriminierung und Bedrohung werden angedeutet, so ist etwa die Sprengfalle zu sehen, die 1995 bei einem Attentat auf Roma im Burgenland verwendet wurde. Mit Blick auf die österreichische Nachkriegsgeschichte werden unter anderem das Bemühen um eine Integration der Täter/innen und die Nichtanerkennung vieler Überlebender als NS-Opfer thematisiert. Warum all das im neutralisierendmarshmallowhaften Ambiente eines white cube präsentiert und damit radikal vom Ambiente der übrigen Ausstellung abgehoben wird, blieb mir allerdings ein Rätsel.

 

„Ziel ist es, die BesucherInnen nicht zu zerstreuen, sondern ihnen zu helfen, sich zu sammeln“, kommentieren die Gestalter ihr Ausstellungsdesign.5 Ich hätte mir jedoch unbedingt mehr Zerstreuungsmöglichkeiten gewünscht. Die räumliche Symmetrie, die von den Kurator/innen vielleicht allzu bereitwillig in eine ebenso symmetrische inhaltliche Konzeption umgesetzt wurde, der Mangel an Tageslicht, die glatte und oft düstere Gestaltung, das Sichdrängelnmüssen vor vertikal ausgerichteten und kleinteilig bestückten Ausstellungsmöbeln – all das hat es mir schwer gemacht, einmal innezuhalten, ein Objekt eingehender zu betrachten, in Ruhe einem der Interviews zu lauschen.

 

Dafür lässt diese Ausstellung ihren Besucher/innen keinen Raum, weder konzeptionell noch physisch. Aber auch die aufwändig recherchierten6 und offensichtlich mit Bedacht ausgewählten Exponate und Interviewfragmente haben selten genug Platz, um ihren Eigensinn zu entfalten. Mitunter scheinen sie vielmehr so gut eingeordnet und ‚aufgeräumt‘, dass man sie auf den ersten Blick gar nicht mehr sieht.

 

Die Ausstellung Der Tatort Mauthausen

 

Ganz anders gestaltet sich das Raumempfinden im weitläufigen Untergeschoss des Reviergebäudes. Dort wird die Ausstellung Der Tatort Mauthausen – Eine Spurensuche gezeigt, die den Todesursachen der mindestens 90.000 Menschen gewidmet ist, die im Mauthausener Lagerkomplex ums Leben kamen. Auch hier wird das Tageslicht durch Jalousien gedämpft, wenigstens aber sind die Fenster nicht verstellt. Auch das unverputzte Granitgemäuer bleibt sichtbar und gemahnt an die harte Arbeit, die Gefangene im Steinbruch und beim Auf- und Ausbau des Lagers leisten mussten.

 

Der Raum wird von effektvoll hinterleuchteten Farbfotografien beherrscht, die großformatig an sechs locker verteilten Ausstellungspulten angebracht sind. Sie zeigen verschiedene Orte des Lagers in ihrem heutigen Zustand. Dabei dominiert die Farbe Grün: Der ehemalige Steinbruch als reizvolles Naturschauspiel, die einstige Hinrichtungsstätte als Wanderweg durch Weideland, die Überreste des Lagerzauns inmitten einer sanften Feld- und Wiesenlandschaft. Die Botschaft an die Besucher/innen, von denen die meisten zumindest einige der abgebildeten Stätten eben erst begangen haben dürften, ist klar: Man sieht den Orten nicht an, was an ihnen geschehen ist, um das herauszufinden, muss man sich auf eine Spurensuche begeben. Und: gemordet und gestorben wurde permanent, an vielen Orten und auf viele Arten.

 

Jedem Foto ist eine Überschrift zugeordnet: Alltägliche Gewalt, Hinrichtungen, Todesort Lagergrenze, Tod im Steinbruch, Tödliche Medizin, Mord durch Giftgas. Auf der anderen Seite der Pulte werden dann wenige, aber umso eindrücklichere Informationen und Exponate zum jeweiligen Thema angeboten: Einerseits werden historische Quellen und Objekte als ‚Spuren‘ des Massenmords präsentiert, andererseits wird auf den juristischen und gedächtniskulturellen Umgang mit den jeweiligen Verbrechenskomplexen in der Nachkriegszeit eingegangen. So ist etwa unter der Überschrift Tod im Steinbruch eine originale Lore zu sehen, die (wohl aufgrund ihrer Größe) ausnahmsweise einmal nicht hinter Glas verstaut ist. Links davon finden sich historische Dokumente zum Thema, rechts wird die Ikonisierung der ‚Todesstiege‘ nach 1945 thematisiert.

 

Der ‚Pietätsbereich‘

 

Eine zusätzliche Station erläutert Methoden der massenhaften Leichenbeseitigung in Mauthausen, bevor Besucher/innen den ‚Pietätsbereich‘ rund um die ehemaligen Krematorien, den Sezierraum, den Leichenkühlraum, die einstige Gaskammer und weitere Hinrichtungsstätten betreten. Wo man sich früher in unübersichtlichen Kellerräumen verlor (was ich persönlich gar nicht schlimm fand), gibt jetzt ein auf den Boden aufgesetzter, an den Rändern etwas kitschig unterleuchteter Steg den Rundgang vor. An einigen Stellen faltet er sich zu einer Barriere auf, so etwa am Eingang zur ehemaligen Gaskammer, die nun nicht mehr ohne weiteres betreten werden soll.

 

Im Zentrum des ‚Pietätsbereichs‘ steht ein neu eingerichteter Raum der Namen, für den die Namen von 81.000 Toten in jahrelanger Arbeit recherchiert wurden.7 Einmal mehr wird hier gestalterisch auf Dunkelheit gesetzt: Auf schwarzen Glasplatten erstreckt sich entlang einer zickzackförmigen Passage ein Meer von weiß hinterleuchteten Namen, die nach Zufallsprinzip angeordnet sind. In zwei Winkeln können Totenbücher eingesehen werden, in denen die Namen alphabetisch aufgeführt werden.

 

Die Enttrivialisierung der Mauthausener Tötungslandschaft war eines der wichtigsten Ziele derer, die für die Neugestaltung verantwortlich zeichnen. Sensationslust und Voyeurismus sollten gedämpft, den viel besuchten Mord- und Leichenvernichtungsstätten ein Informationsangebot vorangestellt werden.8 Während mir die Ausstellung Tatort Mauthausen dahingehend gelungen scheint, übte der neue ‚Pietätsbereich‘ auf mich einen seltsam entrückenden Effekt aus: die Wegführung über Stege hält einen in zweifelhafter musealer Distanz zum historischen Boden, auf dem man sich bewegt. Im Raum der Namen wiederum fühlte ich mich in ein Schattenreich versetzt, wobei mir die Namen selbst im nebulösen Dämmer unterzugehen schienen – und um die sollte es hier doch gehen.

 

Wie diesseitig und greifbar wirken im Gegensatz zu dieser geschliffenen Gedenkästhetik die von Überlebenden und Angehörigen gestalteten Fotos, Tafeln, Wimpel und Ausstellungen, die im Krematorium bunt durcheinander hängen: Endlich einmal ein Ort, an dem die Dinge miteinander in Austausch treten können, der nicht ‚aus einem Guss‘ ist. Wo auch mal etwas unordentlich herumstehen, ein Foto sich wellen und Papier vergilben darf; und wo sich das Auge an verschiedenen Oberflächen und dissonanten Botschaften reiben kann.

 

Keine Experimente?

 

Nun haben solche Orte individuellen Totengedenkens andere Funktionen als die, die historische Ausstellungen und Besucher/innenleitsysteme zu erfüllen haben, und es liegt mir fern, das eine gegen das andere auszuspielen. Dennoch wurde mir angesichts dieses ‚wilden‘ Gedenkens bewusst, dass ich kein Foto, kein Dokument und kein Objekt in den zuvor stundenlang besichtigten Ausstellungen so neugierig betrachtet habe, wie das, was sich hier ästhetisch disparat, fragmentarisch und unsystematisch vor mir entfaltete.

 

Die neu gestalteten Bereiche der Gedenkstätte Mauthausen zeugen von Professionalität und Expertise: von engagierter Forschung, intensiver Konzeptarbeit und gestalterischer Sorgfalt. Für diese Arbeit verdienen die Macher/innen jeden Respekt; auch glaube ich, hier vieles erfahren zu haben, was ich vorher nicht wusste. Gleichzeitig habe ich in dieser virtuos aufgeräumten und durchstrukturierten Umgebung aber kaum einmal einen Punkt finden können, an dem mein Blick hängen geblieben wäre, der meine Sinne und meine Fantasie angeregt und mich von da aus zum Nachdenken gebracht hätte – zu den wenigen Ausnahmen zählen die großen Farbfotos in der Tatort-Ausstellung.

 

Beim Gang durch die neu gestalteten Bereiche habe ich mich daher immer wieder gefragt, ob es nicht an der Zeit ist, bei der musealen und didaktischen Aufbereitung ehemaliger Konzentrationslager nach neuen Wegen zu suchen. Experimente zu wagen, sich hier und da von den inhaltlichen, didaktischen und ästhetischen Standards zu emanzipieren, die sich im Zuge der Neukonzeptionen der großen KZ-Gedenkstätten im deutschsprachigen Raum während der letzten zwanzig Jahre vielerorts etabliert zu haben scheinen.

 

Dabei war die professionelle Historisierung und Musealisierung der Orte ehemaliger Konzentrationslager seit den 1990er Jahren zweifellos von großem Gewinn: Viele Orte wurden im Zuge dessen aus den Fängen allzu eindeutiger Sinnstiftungshorizonte und Identitätspolitiken befreit und für neue historische und pädagogische Bezugnahmen geöffnet. Bekanntlich gingen damit auch modifizierte Vermittlungsprinzipien einher: Besucher/innen sollten nun eher historisch informiert und zur (Selbst-)Reflexion angeregt als emotionalisiert oder ideologisch beeinflusst werden. In der musealen Repräsentation wird seither auf dramatische Inszenierungen, normative Appelle und Schockeffekte verzichtet. Eindeutige Narrative wurden durch differenzierte und geschichtswissenschaftlich fundierte Darstellungen ersetzt; statt drastischer Grafiken im Agitprop-Stil, wie sie sich etwa in der Maršálek-Ausstellung fanden („Mörder sehen dich an“), wählt man anspruchsvolle, dabei aber möglichst nüchtern und distanzierend wirkende Formen der ästhetischen Gestaltung.

 

Hinter all das sollte man nicht zurückfallen, aber vielleicht sollte man sich trauen, von hier aus einmal wieder weiterzugehen. Mir zumindest ist die Vergangenheit in den neu gestalteten Bereichen der Gedenkstätte Mauthausen allzu hermetisch objektiviert, rigoros sortiert und ästhetisch neutralisiert entgegengetreten. In den beiden Tagen, die ich dort verbracht habe, fand ich mich in eine befremdliche „Gebärde der Besichtigung“ (Horst Rumpf)9 gedrängt: nicht eingeladen, mich fragend und suchend mit dem vergangenen Ort auseinanderzusetzen, sondern aufgefordert, einem bereits perfekten Monolog über diesen Ort zu folgen.

 

Vielleicht sollten historische Ausstellungen an Orten ehemaliger Konzentrationslager zukünftig ein wenig mehr Bescheidenheit walten lassen und eher die Anmutung einer Forschungswerkstatt haben. Vielleicht sollten dabei auch die Macher/ innen sichtbar werden, mitsamt ihren Motivationen, Fragen, Forschungsstrategien, Unsicherheiten und Zweifeln. Vielleicht sollte es zusätzlich zu einem geschichtswissenschaftlich fundierten Informationsangebot Bereiche geben, die immer wieder neu und nicht notwendigerweise von Expert/innen gestaltet werden. Anstelle der Illusion einer ‚fertigen‘ und ‚angemessenen‘ Repräsentation des vergangenen Orts, in der alles schon am richtigen Platz steht und die man nur mehr nachvollziehen muss, ließen sich auf solche und andere Weise Spiel- und Kommunikationsräume schaffen, in denen Besucher/innen nicht nur angeregt, sondern ausdrücklich ermutigt würden, eigene Wege der Annäherung an die Vergangenheit zu suchen.

 

 

Cornelia Siebeck

 

Historikerin, forscht und schreibt zu gedächtnispolitischen und -theoretischen Fragestellungen, vor allem zur Repräsentation von Vergangenheit im öffentlichen Raum. Lehraufträge zu sozialtheoretischen, historischen und gedächtniskulturellen Themen an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Ruhr Universität Bochum und am Lehrstuhl für Neueste und Zeitgeschichte der Humboldt Universität Berlin. Zahlreiche akademische und nichtakademische Publikationen.

 

1 Vgl. Bundesministerium für Inneres, Abteilung IV/7, Hg., mauthausen memorial neu gestalten. Rahmenkonzept für die Neugestaltung der Gedenkstätte Mauthausen, Wien 2009.

2 Vgl. Yariv Lapid/Christian Angerer/Maria Ecker, „Was hat es mit mir zu tun?“, in: Gedenkstättenrundbrief 162 (2011), 40-45.

3 Diese erste historische Ausstellung in der Gedenkstätte Mauthausen war 1970 eröffnet und Anfang der 1980er Jahre geringfügig überarbeitet und ergänzt worden. Vgl. Bertrand Perz, Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen. 1945 bis zur Gegenwart, Innsbruck/Wien/Bozen 2006, 221 ff.; 239 ff.

4 Vgl. Bundesministerium für Inneres, Hg., Das Konzentrationslager Mauthausen 1938-1945. Der Tatort Mauthausen – Eine Spurensuche, Raum der Namen, Mauthausen Bulletin 1 (2013). Bisher ist die Broschüre in deutscher und englischer Sprache verfügbar; Übersichtspläne gibt es ferner in französischer, hebräischer, italienischer, niederländischer, polnischer, russischer, spanischer und tschechischer Sprache. Für diesen Hinweis danke ich Katharina Czachor vom Mauthausen-Archiv.

5 Manuel Schilcher/Siegfried Miedl, Architektur und Gestaltung des Gedenkens. Bauen in geschichtlich belastetem Ambiente, in: ebd., 55-59, hier 59.

6 Vgl. Kaharina Czachor/Karin Gschwandtner, Die Objekte der Ausstellungen, in: ebd., 35-37.

7 Vgl. Andreas Kranebitter, Die Toten des KZ Mauthausen/Gusen. Gedenkbuch und „Raum der Namen“, in: ebd., 61-65.

8 Vgl. z.B. Bundesministerium für Inneres, Abteilung IV/7, Hg., mauthausen memorial neu gestalten (wie Anm.1), 17, 33 f.

9 Horst Rumpf, Die Gebärde der Besichtigung, in: Kirsten Fast, Hg., Handbuch der museumspädagogischen Ansätze, Opladen 1995, 29-45.