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Ausgabe 1/14


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Wiener Straßen-Lärm

HistorikerInnen haben die Biografien problematischer NamensgeberInnen von Straßen, Gassen, Plätzen und Parks in Wien erforscht. Rückblick und Ausblick auf eine zwischenzeitlich eingeschlafene Debatte.

 

Rund 6.600 Straßen und Parks gibt es in Wien. Ganze 4.379 von ihnen sind nach Personen benannt. Viele der Namen sind tief im kollektiven Gedächtnis der WienerInnen verankert – auch wenn es sich dabei um Antisemiten, illegale NationalsozialistInnen und Mitglieder der Waffen-SS handelt. Denn Straßenbenennungen und -umbenennungen dienen als geschichtspolitische Praktiken dazu, eine Wertvorstellung zu bestätigen und in die Semiosphäre der Stadt einzuschreiben.1

 

Doch gerade politische und historische Annahmen sind laufend im Übergang begriffen, Umbenennungen sind Werkzeuge der Identitätsbildung. Kaum ein Platz in der Stadt verdeutlich dies so gut wie jener vor der Votivkirche: Ursprünglich hieß er Maximiliansplatz, benannt nach dem gleichnamigen Kaiser. Nach Ausrufung der Republik bis zum Jahr 1934 trug er den Namen Freiheitsplatz, hieß während des Austrofaschismus Dollfußplatz und in der NS-Zeit Hermann-Göring-Platz. Nach Kriegsende wechselte man wieder auf Freiheitsplatz, der bereits 1946 in Rooseveltplatz umbenannt wurde.

 

Die wechselhafte Geschichte des Rooseveltplatzes ist prototypisch, die Umbenennung aber alles andere als einzigartig. 980 Verkehrsflächen wechselten zwischen den Jahren 1910 und 2010 ihren Namen. Die Umbenennungen häuften sich deutlich entlang politischer Einschnitte und wurden in den darauf folgenden Jahren umgesetzt: 1918 der Zerfall der Monarchie, 1933/34 die Machtübernahme des Austrofaschismus und 1938 des Nationalsozialismus sowie 1945 die Rück- und Umbenennungen nach dem Ende des NS-Regimes. Aus dem Adolf-Hitler-Platz wurde alsbald wieder der Rathausplatz, aus der Horst-Wessel-Straße die Rodauner Hauptstraße. Die Geschichtspolitik der unmittelbaren Nachkriegszeit sah außerdem vor, österreichische FreiheitskämpferInnen sowie Opfer im Kampfe gegen den Faschismus und für ein demokratisches Österreich zu berücksichtigen.2 Februar-KämpferInnen waren insbesondere bei Benennungen 1948/49 stark vertreten. Die letzte Phase der aktiven Auseinandersetzung mit Straßennamen stellte der Abzug der Alliierten dar. Infolge dessen wurden etwa die Brücke der Roten Armee zur Reichsbrücke und der Stalinplatz zum Schwarzenbergplatz. Der Theodore Roosevelt gewidmete Platz hat die letzte Phase ausgelassen, er trägt seinen Namen bis heute – und die davor liegende Grünfläche heißt seit 1985 Sigmund-Freud-Park.

 

Ein Geburtstagsgeschenk an die Universität

 

„Die Stimme des Intellekts ist leise“, prangt dort auf einem Gedenkstein für den Vater der Psychoanalyse. Es ist kein Zufall, dass Freud erst spät zu dieser Ehre kam. In der Zweiten Republik herrschte nach 700 Um- und Rückbenennungen zwischen 1934 und 1955 Umbenennungs-Überdruss. Zudem wurde bei Neubenennungen, insbesondere in den Außenbezirken, auf neutrale Benennungen nach Pflanzen, Edelsteine und Planeten zurückgegriffen, während internationale Aspekte kaum eine Rolle spielten. Die 1980er-Jahre markieren bekanntlich den Beginn einer Auseinandersetzung über die Verstrickung von ÖsterreicherInnen in das NS-Regime bis zur Erforschung antisemitischer Kontinuitäten in der Gesellschaft. So wurde ein Jahr nach der Waldheim-Debatte auch erstmals zur Diskussion gestellt, ob Wien tatsächlich einen Teil seiner bekanntesten Straße Ex-Bürgermeister Karl Lueger widmen soll. Mehrere Anläufe von BürgerInneninitiativen, StudentInnen und den Grünen scheiterten, bis 2012 doch die Umbenennung erfolgte. Der neue Name: Universitätsring. „Das ist ein Wendepunkt, nicht nur für die Universität, sondern für das ganze Land und meine persönliche Geschichte“, sagte Eric Kandel damals. Der Nobelpreisträger, der als Jude 1939 in die USA emigrieren musste, hatte intensiv für den neuen Namen lobbyiert. Die Stadt gab letztlich nach und machte der Universität ein vorzeitiges Geschenk zu ihrem 650-jährigen Geburtstag 2015. Die Briefköpfe der Universität Wien werden dann nicht mehr in der Anschrift den Namen eines Politikers tragen, der Antisemitismus systematisch vertrat.

 

Über den Dr.-Karl-Lueger-Ring ist viel debattiert und geschrieben worden, aber wie steht es um die anderen 4.378 personenbezogen Straßen, Gassen, Plätze und Parks in Wien? Seit 2011 beschäftigen sich HistorikerInnen am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien mit dem Verein zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der Zeitgeschichte mit dem Thema. Daraus entstand ein von der Stadt Wien gefördertes Forschungsprojekt, in dem untersucht wurde, ob NamensgeberInnen öffentlich antisemitisch, rassistisch oder faschistisch gehandelt haben und ob sie sich überdurchschnittlich stark für den Nationalsozialismus engagiert haben. Aber auch Personen, die vor der NS-Zeit gelebt haben, wurden untersucht. Auf der Shortlist der „kritischen Namen“ landeten schließlich 159 Personen, darunter befand sich lediglich eine Frau. In 28 Fällen herrsche „intensiver Diskussionsbedarf“, konstatierten die HistorikerInnen. Dieser besteht bei jenen Personen, die „offensiv und nachhaltig antisemitische Einstellungen bzw. andere gruppenbezogenen menschenfeindlichen Vorurteile vertreten haben“.3 Eindeutig aktive Mitglieder der NSDAP bzw. Mitglieder von SS und SA zählen ebenfalls zur „Gruppe A“. Weitere Kriterien, um in diese Gruppe aufgenommen zu werden, umfassten die „Integration von rassistischem und menschenfeindlichem Gedankengut in konkrete Arbeiten bzw. Verhaltensweisen oder die Verharmlosung von Verbrechen gegen die Menschheit (z.B. Holocaust) oder die individuelle Verantwortung für exzessive Gewaltanwendung“.4

 

Geistliche, Musiker, Politiker, SchriftstellerInnen, Sportler, Unternehmer, Wissenschaftler sowie je ein Musiker und ein Armeeangehöriger zählen zu jenen Personen, bei denen „intensiver Diskussionsbedarf“ vorhanden ist. Unter ihnen befinden sich prominente Namen wie der frühere ÖVP-Nationalratspräsident Leopold Kunschak, der Radrennfahrer, ‚Ariseur‘ und Journalist Ferry Dusika und der Konstrukteur des Volkswagens, Ferdinand Porsche.

 

Antisemit trifft auf Wehrdienstverweigerer

 

Zwei jener 28 Fällen sollen im Folgenden im Detail besprochen werden. Der Fokus liegt dabei auf Personen, die lange vor dem NS-Regime lebten, um die Virulenz des Antisemitismus noch vor dem Grauen des Nationalsozialismus zu unterstreichen: Der Antisemitismus von Sebastian Brunner (1814–1893), Prälat, Schriftsteller und Gründer der Wiener Kirchenzeitung, geht weit über den damals üblichen katholischen Antisemitismus hinaus. Erika Weinzierl bezeichnete ihn bereits 1970 als „Schlüsselfigur im katholischen Antisemitismus Österreichs“.5 In seinem Buch Der Nebeljungen Lied schrieb Brunner: „Wir haben keinen Judengott mehr, Und wir hassen den Gott der Christen, Wir sind die keckste Rotte der Welt, Wir jüdische Pantheisten [...] Nicht auf die Kirche nur stürmen wir los, Wir brechen auch die Synagoge, Wir schicken den Mosche zu Jehova, Mit samt seinem Dekaloge.“6 Bis heute trägt eine kleine Gasse im 13. Bezirk Brunners Namen – unweit des ORF-Zentrums am Küniglberg.

 

Eine Schlüsselfigur des 19. Jahrhunderts war auch Josef Schlesinger (1831– 1901). Der Mathematiker und Philosoph war Professor, später Rektor der k. u. k. Hochschule für Bodenkultur sowie ab 1891 Reichsratsabgeordneter der Christlichsozialen Partei und Wiener Gemeinderat. „Wo einstens die Juden nur geduldet wurden, sind sie jetzt die Herren, und die Nachkommen der Christen sind jetzt ihre Knechte [...] streiten und kämpfen wir doch lieber vereint gegen die uns unterjochende jüdische Geldherrschaft, gegen den volkswirtschaftlichen, unsere arische Cultur vernichtenden semitischen Ring“, sagte Schlesinger 1899 im Reichsrat.7 Für Karl Kraus war Schlesinger ein Plagiator von Houston Stewart Chamberlains Theorie von der „Rassenreinheit“. Nichtdestotrotz befand sich das Amtshaus für den 8. Wiener Gemeindebezirk bis 2006 auf dem Schlesingerplatz. Der Platz wurde auf rot-grüne Initiative im Bezirk und mit Zustimmung der Kulturkommission der Stadt Wien umbenannt – in Schlesingerplatz, nach der sozialdemokratischen Kämpferin für Frauenrechte Therese Schlesinger. Übersehen wurde aber offenbar, dass es im 14. Bezirk bis heute eine Josef-Schlesinger-Straße gibt. Ironie der Geschichte: Die Straße trifft dort auf die Jägerstätterstraße, die 1993 nach dem Wehrdienstverweigerer Franz Jägerstätter benannt wurde.

 

Bevor Jägerstätter in Form eines Straßennamens geehrt wurde, fuhr, ging oder radelte man durch die Ottokar-Kernstock-Straße, benannt nach dem deutschnationalen Dichter, dessen Originalzitate auch Karl Kraus in Die letzten Tage der Menschheit einbaute. Im Gegensatz zum Schlesingerplatz, wo derselbe Name eine andere Konnotation erhalten hat, wurde im 14. Bezirk ein radikaler Bruch mit dem Namen und der dahinterstehender Denkweise gezogen. Die Kriterien, warum eine Verkehrsfläche nach jemandem benannt werden soll, haben sich in den vergangenen Jahren aber nicht verändert: Dazu zählen Verdienste um Wien, idealerweise ein Bezug zum jeweiligen Bezirk und dass der Namensgeber zumindest ein Jahr nicht mehr unter den Lebenden weilt. Bis das blau-weiße Straßenschild montiert ist, müssen einige Hürden überwunden werden: Erst schlägt die Kulturkommission des jeweiligen Bezirks KandidatInnen vor, Kulturkommission und Bezirk fassen die Beschlüsse und leiten sie an die MA 7, die Kulturabteilung der Stadt Wien, weiter. Diese lässt die Beschlüsse prüfen, unter anderem vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes oder dem Wiener Stadt- und Landesarchiv. Dann befasst sich der Unterausschuss für Verkehrsflächenbenennungen des Gemeinderats mit der Materie. Anschließend berät und stimmt der Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft ab. Und zuletzt unterschreibt der zuständige Stadtrat den Akt.

 

„Bei Umbenennungen von Straßen bin ich zurückhaltend. Es geht nicht darum, Geschichte auszulöschen, sondern darum, sie bewusstzumachen“, sagte der amtierende Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) in einem Interview mit Der Standard.8 Im Juli 2013 veröffentlichten die mit der Verfassung des Straßennamen-Berichts befassten HistorikerInnen ihren Forschungsendbericht, der auf großes politisches und mediales Echo stieß. Die Wiener ÖVP „begrüßte den Ansatz, sich kritisch mit Straßennamen auseinanderzusetzen“9 und stimmte darin mit Mailath-Pokorny überein, dass Straßenumbenennungen eine seltene Ausnahme bleiben sollten. Nochmals hielt die Volkspartei bei dieser Gelegenheit fest, dass sie auch weiterhin gegen die Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Rings sei. Karlheinz Kopf, damals Obmann des VP-Parlamentsklubs forderte eine Umbenennung des Renner-Rings: „Ich möchte nicht, dass ein Renner, der [...] ‚1938 seinem tiefgreifenden Deutschnationalismus und seinem Ehrgeiz [...] im öffentlichen Rampenlicht zu stehen, nachgegeben hat‘ und am 3. April 1938 sein Ja zum Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland verkündete und damit die Auslöschung Österreichs befürwortete, länger Namensgeber des Parlamentsstandortes ist.“10 Stattdessen sollte jener Teil der Ringstraße in Parlamentsring umbenannt werden, wie dieser bereits von 1949 bis 1956 hieß.

 

Der Dr.-Karl-Renner-Ring und der Schubertring sind mittlerweile die einzigen Teile der Ringstraße, die nach Personen benannt sind. Auch mit Renner haben sich die HistorikerInnen in ihrem Bericht kritisch auseinandergesetzt. Er fällt in die „Gruppe B“ jener 56 „Fälle mit Diskussionsbedarf“. In der Ersten Republik „bediente und verstärkte Renner – wie auch die sozialdemokratische Agitation dieser Zeit – in Österreich und Deutschland immer wieder das Vorurteil des ‚jüdischen Großkapitals‘. Aber im Unterschied zum Luegerschen Antisemitismus, der ein umfassendes politisches Programm darstellte, sich nicht auf eine Polemik im Parlament beschränkte, und breit und permanent in die Gesellschaft kommuniziert wurde, blieb auch in der Folge der Antisemitismus keine öffentliche politische Kategorie für Renner“, schrieb Oliver Rathkolb.11

 

Nicht nur die ÖVP, auch die FPÖ blieben bei ihrer Kritik der Umbenennung des Lueger-Rings. Für den Wiener Klubobmann Johann Gudenus sei dies ein „Sündenfall“12 gewesen. Mit Verweis auf Karl Renner merkte er an: „Wenn SPÖ und Grüne der Bevölkerung also unbedingt eine Zusatztafel-Schwemme aufs Aug drücken wollen, dann dürfen sie nicht länger auf dem linken Auge blind sein“.13 Abgesehen davon, dass jene Schwemme bisher nicht eintraf, sind Zusatztafeln nur ein Weg des Umgangs mit belasteten Straßennamen. Die Palette reicht von der Umbenennung zur Umwidmung bis zur künstlerischen Intervention. Jede dieser Maßnahmen ist natürlich mit Kosten verbunden; bei der Umbenennung etwa muss der Bezirk für alles aufkommen, vom Austausch der Tafeln bis zu den Dokumentenänderungen der AnrainerInnen.

 

Auch in anderen Städten Europas und weltweit wird die Benennungspraxis der öffentlichen Räume thematisiert. In der deutschen Universitätsstadt Münster stimmte nach langem politischen Hickhack letztlich die Bevölkerung ab, ob ein nach Paul von Hindenburg benannter Platz einen neuen Namen erhalten soll. Der Name des Reichspräsidenten, der Hitler zum Reichskanzler ernannt hatte, wich nach 85 Jahren, stattdessen heißt der Platz vor dem Fürstbischöflichen Schloss in der westfälischen Stadt nun schlicht Schlossplatz. Interessantes Detail: Der CDU-Bürgermeister von Münster, Markus Lewe, setzte sich für die Umbenennung ein, während ein Großteil seiner Fraktion dagegen war. Früher als in Österreich sei auch die „zweite Reihe der NS-Zeit“ ins Blickfeld gerückt, sagt der deutsche Historiker Rainer Poppinghege: „Die Gesinnung vieler Juristen, Dichter, Funktionäre oder Ärzte ist erst in den Achtzigerjahren erforscht worden.“14

 

Hierzulande bedienen sich PolitikerInnen so mancher Kunstgriffe bei der Umbenennung: In Klagenfurt entschloss man sich zwar dazu, dass die Ferdinand-Porsche-Straße einen neuen Namen erhalten sollte, aus ihr wurde jedoch schlicht die Porsche-Straße. Weil der Arzt Franz Xaver Rais aus St. Wolfgang eine Jüdin denunziert hatte, man aber niemanden verärgern wollte, wurde aus der Dr.-Franz-Xaver-Rais-Promenade schlicht die Doktor-Promenade.

 

In Wien vergingen seit Vorstellung des Forschungsberichts neun Monate, nach der ersten Welle der Berichterstattung wurde es ruhig um das Thema. Grund im Büro von Andreas Mailath-Pokorny nachzufragen: Die Forschungsergebnisse seien an die Bezirke weitergeleitet worden. Diese wurden beauftragt, Vorschläge zu liefern, wie mit den neuen Erkenntnissen umgegangen werden sollte. Mittlerweile sei deren Feedback eingetroffen und werde von HistorikerInnen und weiteren ExpertInnen überprüft. Es solle ein Konzept für alle Bezirke erarbeitet werden. Einen fixen Zeitplan dafür gebe es aber noch nicht, er hoffe aber, dies noch 2014 zu schaffen, erklärte der Sprecher des Kulturstadtrats, Daniel Benyes, auf Anfrage Mitte März. Wie gehabt sollen Umbenennungen möglichst vermieden werden: „Die Geschichte der Stadt soll in Erinnerung bleiben, man darf die dunklen Seiten nicht unter den Teppich kehren.“ Genau deswegen solle es beispielsweise auch beim Lueger-Platz im ersten Bezirk oder der Lueger-Brücke im 14. Bezirk bleiben, Spielraum für eine Umbenennung sehe Benyes „eher nicht“. Der Universität Wien gestand man die Umbenennung des Lueger-Rings 2012 zu, weil es noch andere mit dem Ex-Bürgermeister konnotierte Orte in der Stadt gebe.

 

Über die Vita der im Forschungsbericht angeführten Fälle sagt man im Büro Mailath-Pokorny, bei den in den vergangenen Jahren vorgenommenen Änderungen handle es sich um Personen, die „noch eine Stufe belasteter“ gewesen seien. Folgt man der Argumentation aus dem Kulturstadtratsbüro, hieße das, Karl Lueger war belastet genug, um den Teil der Ringstraße umzubenennen – ist aber nicht belastet genug, dass die anderen nach ihm benannten Verkehrsflächen einen neuen Namen erhalten sollen. Ganz zu schweigen von den anderen, noch vorhandenen hochproblematischen Benennungen. Zumindest in die Causa Dusika kommt mittlerweile Bewegung: SPÖ, Grüne und ÖVP sprachen sich im Leopoldstädter Bezirksparlament für eine Umbenennung des Stadions aus.

 

Alexander Dworzak

ist Politikwissenschafter und Redakteur der Wiener Zeitung

 

Fußnoten

1 Vgl. Forschungsprojektendbericht Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“, 2013, 25.

2 Vgl. Wiener Rathauskorrespondenz, 11.10.1948.

3 Forschungsprojektendbericht Straßennamen

Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“, Wien 2013, 45.

4 Ebd.

5 Erika Weinzierl, Stereotypen christlicher Judenfeindschaft, in: Wort und Wahrheit, 25/ 4, (1970), 351. 6 Sebastian Brunner, Das Nebeljungen Lied, 1846, 33ff.

7 Die Fackel, Nr. 24 vom November 1899, 55ff.

8 Der Standard vom 8. Mai 2013.

9 Presseaussendung vom 3. Juli 2013, abrufbar via ots.at.

10 Ebd.

11 Forschungsprojektendbericht Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“, Wien 2013, 178.

12 Presseaussendung vom 3. Juli 2013, abrufbar via ots.at.

13 Ebd.

14 Der Standard vom 8. Mai 2013.