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Ausgabe 1/14


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Post aus... Budapest

Budapest, April/Mai 2014

 

Am Tag meiner Abreise war mir klar, dass sich in meinem Leben vermutlich nie wieder so viel von einem Tag zum anderen ändern würde, wie durch den Beginn des Gedenkdiensts: Neuer und erster Job, neue Wohnung, neue Stadt, neue Kultur, neue Sprache, neue Freunde – kurz gesagt: alles neu.

 

Ich setzte mich also mit vollem Koffer, hohen Erwartungen, aber auch leicht gemischten Gefühlen ins Auto. Denn zu diesem Zeitpunkt kannte ich Budapest nur durch nicht allzu schmeichelhafte Medienberichte, in welchen von hoher Armut, korrupten PolitikerInnen und einer starken rechtsextreme Szene die Rede ist. Zusätzlich befand sich meine Wohnung im achten Bezirk Budapests. Dieser gilt, auf Grund der hohen Armut und Kriminalität, als die schlechteste Gegend innerhalb der Stadt und wird von vielen abschätzig als ‚Roma-Viertel‘ bezeichnet.

 

Doch nach nur wenigen Tagen wurden diese Zweifel bereits zerstreut. Die Stadt ist zwar etwas heruntergekommen, aber bietet auch gerade deshalb eine ganz eigene, authentische Atmosphäre. In meinem Bezirk werde ich zwar täglich mit der Armut der Leute konfrontiert, aber die meisten von ihnen sind dennoch freundliche, herzliche Menschen.

 

Auch von meiner Arbeit am Budapester Holocaust Institut (BHI) war ich positiv überrascht. Obwohl der Altersdurchschnitt meiner ArbeitskollegInnen zwischen 50 und 60 liegt, hatte ich keine Probleme damit, mich in das Arbeitsumfeld einzufinden. Zu meinen regelmäßigen Arbeiten zählt das selbstständige Recherchieren, das Schreiben verschiedener Reden und Vorträge, die Korrespondenz mit internationalen Institutionen, das Beantworten von Anfragen (oft auch von Holocaust-Überlebenden), sowie das Übersetzen von Ausstellungen oder kleineren Texten aus dem Ungarischen ins Deutsche.

 

Des Weiteren habe ich, außerhalb meines offiziellen Tätigkeitsbereiches, begonnen, bei der neuen Sortierung des Archives mitzuhelfen und bemühe mich darum, demnächst auch einmal eigene Führungen durch das Museum geben zu können. Gleich am Anfang des Jahres habe ich mir einige ‚To-Do‘-Listen gemacht, um sowohl in der Arbeit möglichst viele Erfahrungen zu sammeln als auch die zahlreichen Angebote der Stadt so gut es geht ausnützen zu können. Die meisten Punkte stehen noch immer darauf, aber schließlich habe ich ja noch sechs weitere Monate, um das zu ändern.

 

Andreas Pigl