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Ausgabe 2/14


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Rückgabe von in der NS-Zeit entzogener Kunst in Österreich. Eine Chronologie

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Zusammenbruch des NS-Regimes wurden in Österreich eine Reihe von Gesetzen erlassen, die die Restitution von in der NS-Zeit entzogenen Vermögenswerten, also auch von Kunst- und Kulturgegenständen regelten. Die früheren EigentümerInnen bzw. deren ErbInnen mussten die Restitution innerhalb festgesetzter Fristen bei den Rückstellungskommissionen beantragen. Kam es zu Rückstellungen von Kunstwerken und die rechtmäßigen EigentümerInnen wollten diese zu sich in die Staaten holen, in denen sie sich nach ihrer Flucht vor dem NS-Regime niedergelassen hatten, wurde oftmals die Ausfuhr aus Österreich nicht genehmigt, die Objekte verblieben in den Museen der öffentlichen Hand. Jene Kunstgegenstände, deren EigentümerInnen nicht bekannt waren und die unter Verwaltung des Bundesdenkmalamtes standen, konnten nochmals nach Verabschiedung der zwei Kunst- und Kulturgutbereinigungsgesetze von 1969 und 1985 beansprucht werden. Die nicht ausgefolgten Objekte wurden 1996 in der sogenannten Mauerbach-Auktion zugunsten von NS-Opfern versteigert.

 

Von 1945 an hatte der Staat nur auf Anträge reagiert und von sich aus keine Aufarbeitung betrieben. Dies änderte sich, nachdem am 7. Jänner 1998 in New York zwei Gemälde von Egon Schiele aus der Sammlung Leopold als NS-Raubkunst beschlagnahmt worden waren. Unter medialem Druck ordnete die damals zuständige Ministerin Elisabeth Gehrer an, dass die Sammlungen der Bundesmuseen systematisch auf in der NS-Zeit entzogene Kunst hin zu überprüfen seien, und setzte die Kommission für Provenienzforschung ein. Am 5. November 1998 beschloss der Nationalrat das Bundesgesetz über die Rückgabe von Kunstgegenständen aus den Österreichischen Bundesmuseen und Sammlungen. Seitdem werden die Dossiers der Kommission für Provenienzforschung einem Beirat vorgelegt, der dem/der zuständigen Minister/in empfiehlt, ob im jeweiligen Fall eine Restitution erfolgen soll oder nicht. Bisher folgten die MinisterInnen diesen Empfehlungen in allen Fällen. Im Fall einer Empfehlung zur Rückgabe stellt meist die Israelitische Kultusgemeinde Wien die Erbberechtigten fest. Schließlich weist der/die MinisterIn das jeweilige Museum an, die Objekte zu restituieren.

 

Am 3. Dezember 1998 beschlossen 44 Staaten im Rahmen einer Konferenz in Washington, D.C., elf Grundsätze für die Rückgabe von Vermögenswerten aus der Zeit des Holocaust und verpflichteten sich, nach NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut zu suchen und die notwendigen Schritte zu unternehmen, um gerechte und faire Lösungen zu finden. In Österreich verabschiedeten in der Folge die Bundesländer und einige Städte Regelungen analog zum Kunstrückgabegesetz. Private Sammlungen sind in Österreich nicht verpflichtet, in der NS-Zeit entzogene Kunst zu restituieren. Dies betrifft auch Stiftungen wie das Leopold Museum, für das 2008 eine unabhängige Provenienzforschung eingesetzt wurde. 2009 wurde das Kunstrückgabegesetz des Bundes novelliert. Nun werden alle Entziehungen im Machtbereich des NS-Regimes seit 1933 berücksichtigt, wie auch jene Objekte, die im Zusammenhang mit einer Ausfuhrgenehmigung nicht unentgeltlich ins Eigentum des Staates gelangten.

 

Seit 1999 wurden in Österreich über 30.000 Objekte von Gemälden über Kunstgewerbe und Bücher bis hin zum Auto und zum Durchlauferhitzer restituiert.

 

Leonhard Weidinger

Historiker, seit 2005 Provenienzforscher im MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst im Auftrag der Kommission für Provenienzforschung.