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Ausgabe 3/14


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10 Jahre Geh Denken!

Seit über zwanzig Jahren engagieren sich junge Menschen im Verein GEDENKDIENST, seit zehn Jahren spiegelt sich diese Auseinandersetzung auch in der Veranstaltungsreihe Geh Denken! wider. Bereits in den ersten Jahren des GEDENKDIENST war dieser viel mehr als eine reine Trägerorganisation für Zivilersatzdienst. MitarbeiterInnen des Vereins organisierten (pädagogische) Workshops, interdisziplinäre Diskussionsveranstaltungen und andere Aktivitäten, um sich kritisch der Geschichte des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen sowie deren Folgen in Österreich zu stellen.

 

Aus diesem Selbstverständnis heraus beschlossen die Vorstandsmitglieder 2004 die vereinsinterne inhaltliche Beschäftigung auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Idee war, eine kostenlose Veranstaltungsreihe ins Leben zu rufen, die abseits einer pseudo-sakralen Gedenkkultur eine kritische Reflexion über Geschichte und Erinnerung ermöglicht. So fand die Reihe Geh Denken! erstmals im Herbstsemester 2004 statt und sollte in verschiedenen Formaten Schwerpunkte der Vereinsarbeit repräsentieren, widerspiegeln und thematisieren. Im Laufe der Jahre wurden die Semesterprogramme von vielen ehrenamtlichen MitarbeiterInnen im Verein inhaltlich und organisatorisch getragen.

 

Den Auftakt der Geh Denken!-Aktivitäten machte eine Wanderung auf den Spuren der PartisanInnen in Kärnten/Koroška. Es folgten Vorträge, ZeitzeugInnen-Gespräche und Diskussionsrunden zu kontroversiellen Themen, wie Verbrechen von Österreichern in Italien und die ‚Reder-Frischenschlager-Affäre‘, das Gedenkjahr 2008 oder die Habsburger-Gesetze. Fanden die Veranstaltungen zunächst regelmäßig im Kulturzentrum Spittelberg im Amerlinghaus statt, zogen wir 2006 in das Veranstaltungslokal Depot in der Breite Gasse weiter. Seit über acht Jahren dürfen wir hier durchschnittlich viermal im Semester GastgeberInnen für ReferentInnen, ModeratorInnen und v.a. für ein interessiertes Publikum sein. Ein besonderes Anliegen war es immer, JungwissenschaftlerInnen und ihren Forschungen Raum zu bieten.

 

Nicht nur örtlich haben wir uns weiterbewegt, auch inhaltlich gab es stets Veränderung: Blickt man auf die lange Liste der Veranstaltungen wird deutlich, dass zu Beginn die Semesterprogramme aus einer großen Bandbreite an unterschiedlichen Themen bestanden, vielfach stellten MitarbeiterInnen des Vereins ihre Forschungsfelder vor, die wiederum oftmals in Verbindung zu Einsatzstellen von Gedenkdienstleistenden standen.

 

Im Jahr 2011 wurden die Ziele unserer Veranstaltungsreihe erneut diskutiert: Wir beschlossen Geh Denken! inhaltlich weiter zu öffnen und insbesondere ein noch breiteres Publikum ansprechen zu wollen. Unter einem Semesterschwerpunkt sollten die einzelnen Abendveranstaltungen unterschiedliche Aspekte eines Themas abdecken und die Annäherung an Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven ermöglichen. So wurde etwa der erste inhaltliche Schwerpunkt Antiziganismus aus historischen und geschichtsdidaktischen Blickwinkeln betrachtet und mit Ceija Stojka eine Überlebende zu einem Vortrag eingeladen. Ein betont interdisziplinärer Zugang zum historischen und gegenwärtigen Antiziganismus sollte zusätzlich PädagogInnen, AktivistInnen in Roma- bzw. Sintivereinen und ein an der Thematik interessierten Publikum ansprechen.

 

Seit 2011 konzipierten wir Semesterprogramme zu den Themen NS-Euthanasie, Austrofaschismus, Rechtsextremismus und Sportgeschichte(n) im Nationalsozialismus und nach 1945. Nach dem Motto ‚raus in die Stadt‘ konnten wir im Rahmen der Semesterschwerpunkte in der Fachbereichsbibliothek für Zeitgeschichte der Universität Wien eine Ausstellung zu NS-Euthanasie im Burgenland präsentierten und im Gerhard-Hanappi-Stadion eine Museumsführung zu Grün-Weiß unterm Hakenkreuz anbieten.

 

Ziel von Geh Denken! ist es auch heute noch – ganz im Sinne des Selbstverständnisses des Vereins GEDENKDIENST – eine Plattform zum kritischen und kontroversiellen Austausch sowie zur Reflexion zu sein. Die Reihe soll eine vertiefende Beschäftigung mit Geschichte für mehr als nur ein reines Fachpublikum darstellen. Außerhalb des Elfenbeinturms und in Abgrenzung zu oberflächlichen populärwissenschaftlichen Auseinandersetzungen, wollen wir eine offene Aushandlung mit der Geschichte des Nationalsozialismus, seinen Vorbedingungen und Nachwirkungen anbieten und mitprägen. Marginalisierte Themen der Geschichtsvermittlung sollen genauso angesprochen werden wie aktuelle geschichtspolitische Kontroversen. Im kommenden Semester widmen wir uns in diesem Sinne dem Thema Lager. Geschichte und Erinnerung. Ziel wird es sein, bisher wenig beachtete Aspekte der NS-Lagersysteme und Regionalgeschichte(n) von Lagern zu beleuchten.

 

Linda Erker, Historikerin, stv. Obfrau des Vereins GEDENKDIENST, seit 2012 im Geh Denken!-Team.

 

Lukas Meissel, Historiker, stv. Obmann des Vereins GEDENKDIENST, seit 2011 im Geh Denken!-Team.