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Ausgabe 4/14


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Verabschiedung von Adalbert Wagner – "Felix Austria"

Eine Ära ist gerade zu Ende gegangen. Soll man da weinen? Oder lachen? Ich glaube, dass mit dem Weinen verbietet sich. Gut, Adalbert Wagner ist jetzt nicht mehr Obmann des Vereins GEDENKDIENST. Nachdem er in den letzten Jahren eines der maßgeblichen Gesichter des Vereins gewesen ist, macht er nun andern Platz. Und die Fußstapfen, in die Kommenden treten dürfen, sind groß, sehr groß. Sing zum Abschied leise Servus! 1 Gottlob ist dies ja ein Nachruf zu Lebzeiten, und wir dürfen gewiss sein: der Berti bleibt. Nun nicht Obmann, aber Berti. Wo immer auch. Und das ist gut so!

 

Berti revisited: Der hat sich nie mit Macht in den Vordergrund gedrängt und doch ist es ihm immer wieder gelungen, in besonderer Weise zu strahlen. Gebt ihm eine Bühne und er füllt sie. Nicht als Blender, sondern als ein äußerst charmanter, wortgewandter, bescheidener Redner, ein scharfer Denker und ein fordernder Zuhörer. Mit Substanz. Ein Teamspieler vor dem Herrn, umringt von einem Freundinnen- und Freundeskreis, der ihn umschwärmt, wie Mücken das Licht. Da möchte jede/r Mücke sein. Der Mann hat Groupies (zu denen ich mich gerne zähle) und vereinzelt Neider. Wie kann das auch sein, dass bei ihm extremer Charme und extreme Klugheit so zusammengehen? Felix Austria! Glücklicher GEDENKDIENST! Strahlender Berti!

 

In der österreichischen wie in der internationalen Gedenk- und Erinnerungslandschaft ist Berti wer. Neben schon Genanntem bewundere ich auch seine Souveränität, mit der er sich so vertraut und sicher auf und zwischen wissenschaftlichem und politischem Parkett bewegt, als sei er darauf geboren worden. Ich erinnere mich an eine Tagung im schönen Wien, die mit einem Empfang in einem der Ministerien rund um den Minoritenplatz verbunden war. Bei solchen Gelegenheiten fühle ich mich persönlich in der Regel deplatziert. In einer Ecke traf ich eine liebe Kollegin, der es ähnlich ging. Wir beobachteten das Geschehen mit ‚wissenschaftlicher Distanz‘, sahen: die, die sich in die erste Reihe drängten; andere, die sich dorthin schüchtern wünschten; die BuffettabräumerInnen, die Unbeholfenen und die EckensteherInnen (der Raum hatte ja noch drei weitere); die Wichtigen und die, die so taten, als ob. Und in dem Geschehen, als Solitär: Berti. Mit schlafwandlerischer Sicherheit. Der war einfach Berti. Authentisch! Mit Aura! Nix weiter. Ein guter, ruhender Pol, um den die Erde sich sicher drehte, wenn sie nur wollte. Ihn zu kennen, lässt die Welt auf jeden Fall ein ganzes Stück besser sein. Wer wollte nicht ein bisschen Berti sein? Sag ich doch!

 

Matthias Heyl

Jg. 1965, Historiker und Erziehungswissenschaftler, leitet die Internationale Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück und die Pädagogischen Dienste der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.