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Ausgabe 2/15


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Politik – Vermittlung – Organisation. Die ehemalige Geschäftsführerin Isabella Riedl und die Neue Nikolina Franjkic

Isabella Riedl bewarb sich bald nach ihrem Schulabschluss für einen Gedenkdienst. Im Jahr 2009 gab es für Frauen das letzte Mal die Möglichkeit, sich im Rahmen des Geschwister-Mezei-Fonds für eine Einsatzstelle zu bewerben, seither fehlt das Interesse ehemaliger GeldgeberInnen, diesen mit Spendengeldern zu füllen. Isabella bewarb sich für die Arbeit an der Internationalen Jugendherberge Oświęcim/Auschwitz. Ihre Arbeit umfasste einerseits die Betreuung von Gruppen an der Gedenkstätte und andererseits engagierte sie sich weit über die ihr gesteckten Tätigkeitsfelder hinaus. So arbeitete Isa selbstständig pädagogische Workshops aus, welche die Basis für die zukünftige Arbeit der Freiwilligen darstellen sollten. Hier zeigten sich bereits ihre vielseitigen Zugänge und Ansprüche an die Arbeit mit ,der Geschichte‘: sich vertiefend mit Aspekten der NS-Geschichte auseinanderzusetzen, dies mit einem hohen pädagogischen Anspruch zu verbinden und das Ganze auch umzusetzen.

 

Nicht verwunderlich also, dass sie nach Beendigung ihres Auslandsdienstes weiterhin in Wien für den Verein GEDENKDIENST tätig war. Nach ihrer Rückkehr aus Polen engagierte sie sich ehrenamtlich in mehreren Bereichen des Vereins, insbesondere in Vermittlungsprojekten, einer der Säulen des GEDENKDIENST. Außerdem wurde Isa von der Generalversammlung des Vereins in den Vorstand gewählt. Sie setzte quasi ihre Arbeit in Oświęcim in Wien fort und brachte ihr Wissen nach Österreich. Im Rahmen des Projektes studienfahrten.at des GEDENKDIENST entstand daraus ein dialektisches Verhältnis, indem Isa nun zwischen Wien und Polen pendelte und immer mehr an Erfahrungen sammeln konnte, die sie sowohl an internationalen Gedenkstätten als auch in Österreich einbrachte. In unserem Verein war sie insbesondere bei den wöchentlich stattfindenden Mittwochstreffen und im sogenannten Vorbereitungsteam aktiv, welches die Ausbildung der angehenden Gedenkdienstleistenden inhaltlich vorbereitet und die drei Ausbildungsseminare organisiert und begleitet.

 

Im September 2012 wurde Isa Geschäftsführerin des Vereins GEDENKDIENST. Trotz des nun klarer vorgegebenen Tätigkeitsfelds setzte sie ihr ehrenamtliches Engagement weit über ihr Angestelltenverhältnis fort – eine nicht immer einfache Aufgabe, zumal die Arbeit im GEDENKDIENST nie aufzuhören schien. Große Mengen an Motivation, aber auch Cola light hielten den begeisterten Green Day Fan Isa auf den Beinen, unglaublich, dass sie sich neben diesen vielzähligen Aufgaben auch noch einem Lateinstudium widmete.

 

Isa ist ein politischer Mensch. Ihr großes historisches Interesse hat immer auch einen Konnex zu gegenwärtigen Fragen nach Ungleichheit und Diskriminierungsformen vorgewiesen. In ihrer Funktion als Geschäftsführerin des GEDENKDIENST konnte sie ihren politischen Aktivismus, insbesondere als Delegierte des Vereins beim Bündnis Jetzt Zeichen Setzen!, einbringen, welches als Gegenbewegung zum rechtsextremen Wiener Akademikerball und als Katalysator für die Anerkennung des Tages der Befreiung als österreichischen Gedenktag fungiert. Als Geschäftsführerin waren aber auch administrative Aufgaben ihr Tätigkeitsfeld. Hier sei insbesondere die Einführung von Rechenschaftsberichten an das Bundesministerium für Inneres (BM.I) erwähnt, die unter Isabellas Mitarbeit erstmals entworfen, an die Freiwilligen ausgegeben, erklärt, bearbeitet und überprüft wurden.

 

Im Februar 2015 beendete Isa ihre Tätigkeiten im Verein GEDENKDIENST, um ein neues Kapitel in ihrem Leben aufzuschlagen. Sie konzentriert sich nun einerseits verstärkt auf ihr Lehramtsstudium in Geschichte und Latein und arbeitet zusätzlich als Nachhilfelehrerin. Ihre Begeisterung für die Pädagogik und Vermittlungsarbeit bleibt also weiterhin ein roter Faden in ihrem Leben. Wir wünschen ihr dafür das erdenklich Beste! Isa wird ein unersetzlicher Teil der GEDENKDIENST- Community bleiben.

 

In ihre großen Fußstapfen tritt nun jemand Neuer: Nikolina Franjkic hat die Schlüssel und jede Menge Verantwortung übernommen. Sie ist genauso wie Isa ein sehr politischer Mensch. Ihre Zugänge zur Geschichte basieren auf einem vielseitigen politischen Engagement. Erfahrungen in Organisationen konnte sie insbesondere in der Sozialistischen Jugend Wien (SJ Wien) sammeln, in der sie seit Jahren aktiv ist. Die Verbindung von Geschichte und Pädagogik vertiefte sie unter anderem in ihrer Tätigkeit im Museum das rote wien – Waschsalon, das, wie Jan Tabor im Falter schrieb: Das beste Karl-Marx-Hof-Museum der Welt der Woche1. Niko studiert außerdem Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft an der Universität Wien. Sie hat bereits in einer Kanzlei gearbeitet und hier gezeigt, dass sie wirklich ein Multitalent ist. Diesen Job hing sie für die Geschäftsführung des GEDENKDIENST an den Nagel und ist jetzt – auch Dank einer wirklich gelungenen Übergabe zwischen ehemaliger und neuer Geschäftsführerin – eine unersetzbare Kraft und kritische Stimme für unseren Verein geworden. Niko ist von Beginn an mit uns ins kalte Wasser gesprungen, hat sich sofort in die Arbeit zum Freiwilligengesetz gestürzt und hat uns gezeigt, dass die so unterschiedlichen Aufgaben unserer Geschäftsführung in verantwortungsvollen und motivierten Händen liegen. Niko: Schön, dass du unser Team bereicherst!

 

Lukas Meissel

Historiker im Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, ehemaliges Vorstandsmitglied des GEDENKDIENST.

 

Fußnoten

 

1 Vgl. Jan Tabor, Das beste Karl-Marx-Hof-Museum der Welt der Woche, in: Falter 18 (2010), zitiert nach: http://dasrotewien-waschsalon.at/in/ (13.10.2015).